Die Pfalzgräfin Elisabeth Charlotte.
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malerischer Witz Verbietet noch den der Fürstin, und wenn dieseeiner recht derben, einer recht drastischen Redensart gleichsam eineempfehlende Etikette mitgeben will, so fügt sie bei: „wie die Jung-fer Kolbin sagt."
Noch nach 20 jähriger Abwesenheit weiß sie sich des Volks-lieds wohl zu erinnern, das nach einem noch üblichen Brauch amsogenannten Sommertag, Sonntag Lätare, unsere Pfälzer Ju-gend unter allerlei symbolischen Gebräuchen abzusingen Pflegt.
Die Orte ihrer Jugend, Heidelberg, Schwetzingen, Mann-heim üben einen unwiderstehlichen Reiz auf sie, sie weiß noch jedesHaus und jeden Garten und zählt wie träumend die einzelnenWohnungen und Gebäude ab, an denen man vorüber kam, wennman von Schwetzingen zum Mannheimer Thor herein nach deinSchlosse ging. Keine Luft ist ihr so gesund, als die auf demHeidelberger Schlosse, die Leute, versichert sie den Schwestern,seien wenigstens, ehe der Krieg das Land verwüstete, zu sehr hohenJahren gekommen, und sie nennt noch die Leute, die in Mann-heim und auf dem Stift Neuburg 110 Jahre und mehr erreichthatten.
Es freut sie in der Seele, daß das „gute ehrliche Heidelberg"aus den Trümmern wieder aufgebaut wird, aber das will ihr nichtgefallen, daß mit dem Wiederaufbau der Stadt Mönche und Klösterdort auch wieder auferstanden, „Jesuwider", schreibt sie, „stehenHeidelberg übel an."
Aber bei einem der Klöster fällt ihr doch wieder eine Ju-genderinnerung ein: „Gott, wie oft habe ich auf dem Berg Kir-schen gegessen, Morgens um 5 Uhr, mit ein gut Stück Brod;damals war ich lustiger, als ich jetzt bin." Denn auch die Kir-schen sind, wie sie anderwärts versichert, besonders im Garten derFamilie Lander unvergleichlich besser, als an irgend einem an-dern Ort.
Auch die Krammetsvögel sind in der ganzen Pfalz besser alsanderwärts, „woher es denn wohl kommen mag, daß man allePfälzer Krammetsvögel nennt."
So ichs auch mit Mannheim; die Erinnerung ist ihr tiefin's Herz gegraben: „Mannheim", schreibt sie in ihrem 70stenJahr, „ist ein warmer Ort; ich erinnere mich, daß wir einmalin der Mühlau zu Nacht aßen, den l. Mai, Alles war ganz