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Anhang.
thue, es sei gut oder überzwerg, das admiriren die Hofleute auchdermaßen, daß, wie ich mich jetzt bei dieser Kälte bedacht, meinenalten Zobel anzuthun, um wärmer auf den Hals zu haben, soläßt jetzt Jedermann sich auch einen auf die Fatzon machen, undes ist jetzt die größte Mode, welches mich wohl lachen macht".
Der Mittelpunkt des Hofes und Alles dessen, was sie andemselben vereinsamte, war die Nurtzuiss äs Nnintknov. Einefeine geistreiche vornehme Weltdame, mit einer nicht eben immerfeinen vornehmen Vergangenheit, früher viel in der Welt, jetztscheinbar nur über der Welt, beschäftigt, Seelen zu kapern, wäh-rend sie sich früher lieber mit leiblicher Jagd abgegeben, so ganzgemacht, um einen alternden Wüstling frömmelnden Stimmungenzuzuführen und mit der Miene äußerster Devotion ihre Interessenzu besorgen, ihre Geliebten und Kreaturen emporzubringen.
Sie ist der Mittelpunkt der Bastard- und Schmarotzerwirth'schaft, mit der Elisabeth Charlotte fortwährend Krieg führt, derAlles, was ihrer Eigenthümlichkeit feindselig und gehässig ist, gel-tend zu machen sucht und auch wirklich geltend macht. Nicht leichtsind zwei Naturen denkbar, die sich so völlig ausschließen, als diePfalzgräfin und die Maintenon. Sie spart denn auch nicht mitwenig schmeichelhaften Namen, sie nennt sie „die alte Zott, diealte Hex, die Rombombel", ein Ausdruck, der noch jetzt, freilichvereinzelt, zwischen Heidelberg und Schwetziugen vorkommt undgebraucht wird, um eine Person zu bezeichnen, die in vorgerückteremAlter sich der Devotion ergiebt.
Es ist nicht bloß ein Kamps gegen eine Person, sonderngegen den Verderb einer Zeit, in der mit der frivolsten Unsittlich-keit die widerwärtigste Frömmelei wetteifert.
Wer über Frömmler und Alle, die aus der Religion einpolitisches Geschäft im eigenen oder fremden Interesse machen,schmeichelhafte Epitheta finden will, der muß in diesem Brief-wechsel nicht nachsuchen; nächst den vaterländischen Erinnerungenbehandelt sie kaum ein Thema so gern als die überfirnißte Heucheleialternder Weltleute, die aus Devotion Geschäft machen. Gegen-über der blutigen Verfolgungssucht ihrer Tage spricht sie es überalloffen aus, für sie gebe es nur eine Religion, „die Religion derehrlichen Leute", und die sei in jedem Dogma möglich.