Die Pfalzgräfin Elisabeth Charlotte.
863
Butter sind nicht so gut als bei uns — auch Haben die französi-schen Köche den rechten Griff nicht dazu."
Dasselbe gilt von den Weinen: „der Burgunder bleibt mirim Magen liegen wie ein Stein; der Bacharacher ist im Ver-gleich besser."
In jener Zeit füllen Beschreibungen fürstlicher Garderobenganze Bücher, die ihrige ist klein beisammen, außer dem Fest-und Iagdkleid erwähnt sie nur noch einen einzigen Nachtrock, „umdamit aufzustehen und zu Bette zu gehen."
Sie macht manchen kühnen Jagdritt, während ihr Gemahlzurückbleibt; an ihrem Hof fand man das über der Sphäredes Weiblichen stehend, an demselben Hof, wo die Polygamie, dieuniversalit« lle I'ullultere, wie Michelet sagt, Mode war.
Musikalisch war sie nicht, was sie über den Eindruck sagt,den die Musik — wohl nur die Modemusik jener Tage — aufsie macht, will ich lieber nicht mittheilen, es könnte tendenziös ge-deutet werden.
Dagegen liebte sie die Bühne, insbesondere das trefflicheLustspiel ihrer Tage; Moliere und seine Schule, mit den meister-haften Darstellungen des realen Lebens im Gegensatz zu allemScheinbaren, Gemachten, übte bis an ihr Ende einen großen Reizauf sie aus.
Neben allem bürgerlich Einfachen, neben allem kernhaft Bäu-rischen in ihrem Wesen, war sie doch eine deutsche Fürstin vomalten Schrot und Korn, die Etwas hielt auf einen reinen, unge-mischten Adel. Sie hatte ein lebhaftes Gefühl ihres Standesund ihrer Würde, darum war ihr der französische Adel, der soreich durchflochten war mit unebenbürtigen und unechten Abkömm-lingen, ein wahrer Gräuel. Ganz unerträglich aber ist ihr diePrätention, womit der so gemischte Adel sich über den deutschenFürstenstand erheben wollte, ein Pfalzgras bei Rhein bedeutet ihrbei Weitem mehr als „so ein lumpiger Duc."
Ueber den bisher rätselhaften Ursprung der Tracht, welcheheute noch den Namen Palatine führt, und der einem großenHistoriker seiner Zeit viel Kopfzerbrechens verursacht hat, sindwir jetzt auch durch einen Brief der Pfalzgräsin im Klaren. DerKönig erwies ihr viele Auszeichnung. „Dies macht", schreibt sie,„daß ich jetzt sehr ä. wolle bin, denn Alles, was ich sage und