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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
Entstehung
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Ginleitung.

Elisabeth Charlotte von Orlsans, von deren Briefen in demvorliegenden Bande eine Auswahl geboten wird, ist eine deutschePrinzessin, die trotz eines mehr als halbhundertjährigen Aufent-haltes in Frankreich ihr Deutschtum bewahrte.

Sie ist im I. 1652 am 27. Mai in Heidelberg geboren. IhrVater, der Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz, trennte sichziemlich bald von seiner ungeliebten Gattin, einer hessischen Prin-zessin, und vermählte sich mit Louise von Degenfeld, einer ehe-maligen Hofdame, die er zum Range einer Raugräfin erhob. DieserEhe entsproß eine zahlreiche Nachkommenschaft, die freilich nur alshalbfürstlich betrachtet wurde. Um dieser unebenbitrtigen Umgebungentzogen zu werden, wurde Elisabeth Charlotte zu ihrer Tante,der Kurfürstin Sophie von Hannover gebracht und verlebte anderen Hof ihre Kindheit und Jugend. Sie genoß die besondereGunst ihrer Tante, sie erfreute sich der Erziehung des Fräuleinsvon Offeln, der spätern Frau von Harling, und betrachtete bisin ihr hohes Alter die Genannten als ihre Wohlthäterinnen unddie in Hannover verlebten Jahre als die schönsten ihres Lebens.

Nach Heidelberg zurückgekehrt, lebte sie mit ihren Halbgeschwi-stern in trauter Einigkeit, erzeigte ihrer Stiefmutter die gebührendeAchtung und bewies ihrem Vater kindlichen Gehorsam. Diesenbewährte sie auch ohne Zaudern, als Herzog Philipp vonOrlsans,der Bruder des Königs Ludwig LIV. von Frankreich, ihre Handbegehrte, obwohl sie früher keinerlei Neigung, sich zu verheiraten,gezeigt und nun Bedenken genug hatte, dem ältern Manne zufolgen, ihre väterliche Religion abzuschwören und die geliebte Hei-mat zu verlassen.