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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlöans. 19

tion, so er zu ihnen trägt, werden selbst die Fürsprecher sein,und Ihr werdet sehen, daß er's Euch mit Freuden vergeben wird.Das ist alles, was ich Euch sür diesmal hieraus sagen werde.Was unsren Anschlag anbelangt, so müssen wir Geduld haben;was ich wünsche, wißt Ihr wohl, und ich habe es Euch oft ge-sagt, auch verzweifle ich noch nicht dran. Unterdessen aber, daßich Euch was Gewisseres und Besseres davon berichten kann, so willEuch, Herzlieber Carlluh, von hier was erzählen, das Euch inver-tieren möge, und ob mein Brief schon dadurch gar lang werdenwird, so glaube ich doch, daß er Euch nicht desto unangenehmersein wird. Es ist mir nur leid, daß ich nicht alles schreibenkann. Wie oft habe ich Euch zu Fontainebleau gewünscht! dennabends hatte ich schöne Histörchen zu erzählen und ärger als nie;aber nun ist alles klug geworden, wie Wendig Euch schon wirdgeschrieben haben. Ich habe ihm auch befohlen, daß er Euchden wunderlichen Fall erzählen solle, so der Vetter Fana denTag vor der Königin in Spanien Abzug gethan, und wie erhernach als wie ein Schatten und toter Mensch sich allebenwohlüberall eingefunden, sowohl an der Stiege, als Komödie und desKönigs Tafel. Ich dachte Monsieur le Dauphin und ich müßtenuns krank lachen, und die gute Königin in Spanien, ob sie zwaranfing betrübt zu werden, konnte sich doch des Lachens nicht ent-halten, wenn sie den Menschen ansah. Ich berufe mich nochmalsauf Wendt und hoffe, daß er Euch einen exakten röoit vomVetter Fana und seinen Abenteuern schreiben wird. Das Besteaber sind die Diskurse und das weiß Wendt nicht. Ich darf'sder Feder nicht trauen b). Es ist recht schade; denn Ihr würdetvon Herzen lachen. Die Auster ist sehr fleißig. Ich will

*) Wendt ist ein Hofbeamter, den El. Charlotte aus Deutsch-land mitgebracht hatte.

2 ) An allen Ecken und Enden.

°) Anvertrauen. Diese Besorgnis durchzieht alle Briefe. El.Charlotte fürchtet, später weiß sie, daß alle ihre Briefe geöffnetwerden, hält sich deswegen häufig in ihren Mitteilungen zurück,trotzt aber manchmal mutig ihren Spähern und Aufpassern. Nichtselten benutzte sie zur Besorgung ihrer Briese Reisen von Bekann-ten und Verwandten und durfte in solchen Schreiben sich offenergehen lassen als in den der Post anvertrauten.

r) Wer die unter Auster, Gredine, Maman gemeinten Per-sonen sind, weiß ich nicht zu sagen. Gredine heißt entweder: dieBettlerin, die unbedeutende Person oder langhaarige Hündin.