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Briefe, der Elisabeth Charlotte von Orlöans.
An den Rangrafen Karl Ludwig.
( 3 ) St. Germain, 28. Oktober 1679.
Herzlieb Carllutz, vergangene Woche habe ich Euer Schreibenvom 22. September empfangen. Es ist mir lieb, daraus zuvernehmen, daß Ihr glücklich und ohne Purzelbaum angelangtseid, aber ich habe schon Eure Ankunft durch etliche Schreibenvon I. G. dem Kurfürsten erfahren. Mich deucht aber, so vielich daraus vernehmen kann, so ist der Kurfürst nicht allerdingswohl mit Euch zufrieden und beklagt sich, daß Ihr ihm nichtnach schuldigstem Respekt sprecht und antwortet, sondern daß Ihrihn anschnurrt und in Euch selbst brummt. Um Gotteswillen,geht ein wenig in Euch selber und hütet Euch, daß Euer Lebendergleichen nicht mehr begegnet! Denn außerdem, daß Ihr demKurfürsten den größten Respekt von der Welt schuldig seid ausallerhand Ursachen, so man auch erdenken mag, so sollt Ihrdoch solches auch Eurer selbst wegen in acht nehmen; denn denktnur, wie viel Unglück Euch aufstoßen werden, wenn der Kurfürstnicht mit Euch zufrieden ist! Und jedermannn wird euch nochdazu unrecht geben; denn von seinen Herren muß man alles lei-den und mit Geduld annehmen, welches Euch dennoch destoleichter ankommen kann, indem Ihr versichert seid, daß I. G.der Kurfürst an nichts, als was Euer Bestes sein wird, gedenkenwird. Drum um I. G. den Kurfürsten in gutem Willen gegenEuch zu behalten, so erweist ihm, daß es Euch gereut, daß Ihran dem Respekt, den Ihr ihm schuldig seid, manquiert habt undbittet um Verzeihung. Dies wird Euch ganz kleine Mühe kosten;denn ich kenne Euer gut Gemüt Wohl und bin versichert, daßwenn Euch ja ein wenig Ungeduld entfahren ist, daß Ihr esnicht so böse gemeint habt; auch habe ich solches schon I. G.dem Kurfürsten Euretwegen versichert. Nun Ihr aber durch diesenBrief ersehen werdet, daß I G. der Kurfürst deswegen unge-halten gewesen, so wird Euch obengemeldete Ungeduld nicht alleingereuen, sondern Ihr werdet I. G. dem Kurfürsten solches auchbezeugen. Ich gebe Euch hier einen Rat als Eure beste Freun-din, und wenn ich (da Gott vor sei!) so unglücklich wäre, daßmir dergleichen begegnet wäre, so wollte ich gleich aufs demütigsteum Verzeihung bitten; denn ich weiß gewiß, daß die Gnade, soder Kurfürst stets seinen Kindern bezeigt, und die väterliche Assel-