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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans. 25

wohl nicht besser geschehen, denn mein ganzes Leben kann hinfüronicht anders als Elend sein, wie E. L. wohl selber sehen, wollteGott auch, daß ich mit dem Prinzen zu E. L. dürfte, denn ichwollte lieber mit E. L, weinen, als hier bei allen den lachendenGesichtern zu sein, welche mir denn wo es möglich wäre meineTraurigkeit noch überhäufen °). Ich glaube auch, daß E. L. derPrinz kein Regret hat dies Land zu quittieren, und daran habenS. L. wohl groß recht, ob ich zwar Regret habe seiner Personberaubt zu werden, so ist mir doch sein civxart nicht leid, weilich nicht glücklich genug gewesen bin, I. L. nach meinem Wunschzu dienen. Hoffe aber doch, daß E. L. so gut werden sein,meinen guten Willen anzunehmen, habe auch naous. Reck, welchenich sehr räsonabel finde, gebeten, E. L. dies noch von meinetwegenzu versichern und wie, daß ich sowohl in Unglück und Betrübnisals zuvorn in Lust stets und bis in Tod verbleibe E. L. gehor-same und ganz ergebene Base und Dienerin

Elisabeth Charlotte.

An die Kurfürstin Sophie.

(6) St. Cloud, 19. September 1682.

E. L. werden sich noch wohl zu erinnern wissen, was fürwunderliche Händel ich E. L. erzählt, als Sie hier waren, so ichschon mit dem Ritter von Lothringen und Marquis d'Esfiat undihrer ganzen Kabale gehabt hatte, auch so daß wir alle in ziem-licher Iroiäsur 2). doch noch mit Uoaiitztots 3) miteinander lebten.Damit aber E. 8. noch desto besser diese Historie verstehen mögen,so muß ich E. L. sagen, daß wenn ich mit dem König auf dieJagd reite, so reite ich gerade hinter dem Kapitän von der Garde,also, daß ich von allen Offizieren stets umringt bin, welche mirdenn alle Dienst thun wo sie können, und das ist alle Kundschaft,so ich mit ihnen habe. Allein E. L. wissen wohl wie ich bin:wenn ich einmal jemand kenne, so rede ich frei mit ihnen, wie ichdenn all mein Leben gethan habe. Nun wollte das Unglück, daßan einem Faselabend H, da alle Menschen in Masken waren außerich, so nicht dabei sein konnte noch wollte sein, weil ich noch in

r) Hier in dem Sinnevorwerfen".

Kälte.

-°) Anstand.

") Fastnacht.