Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans. 31
sein, und alles was man den Leuten thun wird, wovon der Könignun malcontent ist. Ich habe leider nur gar zu wohl prophezeit,denn wie der König nicht wollte, daß der Ritter mit ihm auf dieJagd sollte, wohin er nur gekommen war, um mich zu bravieren,da ging Monsieur zu Mad. de Maintenon und lamentierte, derKönig hätte weder airlltis noch Konsideration für ihn, indem erdie Leute übel traktierte, die er lieb hätte, und was dergleichenLamentationen mehr sind, welche hernach auch durch den Louvoiswiederholt wurden bei dem König, denn er ist mein Feind unddes Ritters Freund. Kurz hernach fand ich den König ganz ver-ändert; wenn ich ihm von meinen Sachen redete, gab er mirkurzen Bescheid und sprach gleich von etwas andres. In der Zeitkamen die Händel mit dem Prinzen von Conti und Chevalier deLorraine, wovon E. L. werden ohne Zweifel gehört haben, dagingen meine Feinde hin und sagten zu Monsieur, Theobon undich hätten den Prinzen gegen den Ritter aufgereizt, da ich dochmit Gott und dem Prinzen selber bezeugen kann, daß mir solchesmein Leben nicht in Sinn kommen ist, noch Theobon auch nicht,allein Monsieur hat es doch auch so glauben wollen. Etliche Tagedanach hat man das Geschrei gehen machen, daß ich mein Konterseimit fünfhundert Pistolen hätte an dem Ritter von Simsen ge-schickt in Theobons Brief. E. L. können wohl denken, daß diesebenso wahr wie der Rest ist, allein ich kann doch nicht erdenken,wie man solches glauben kann, da ich doch nie so viel Geld inmeinem Vermögen habe, außer dem ersten Tag im Jahr. Alleinweil solches mich verunehren kann, muß man thun, als wenn manes glaubt. Und auf dies schön Geschrei jagt man Beuveron undTheobon aus einen Stutz weg, mit Befehl, daß sie ihr Leben keinKommers mit mir haben sollen, und mit Verbot an alle meineDomestiken, keine von meinen Briefen an ihnen zu bringen. Nunlaß ich E. L. gedenken, ob ich Ursache genug habe, mich hierüberzu bekümmern. Ich bat den König, mir zu erlauben, zu Mau-buisson mein Leben zu enden; denn weil ich nirgends keine Hilfegegen der Bedrängung meiner Feinde fände und Monsieur so taciiswäre, sich zu bereden lassen, mir einen Affront zu thun, so ihnselber mitbeschimpfte, so könnte ich mich Hinfür nichts als allesUnglücks erwarten und aller Schande und Unehre, deswegen undauch um E. M. eine importüne Kreatur vom Hals zu bringen,um Monsieurs Haß zu dämpfen, aller Welt ein traurig Objekt