Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans. 51
ihm dieses samt meinem Gruß! Daß die beiden Bücher nicht
sind von Basel hergeliefert worden, ist Eure Schuld nicht. Ihrhabt Euch nur schon gar zu viel Mühe dafür gegeben. Ich fürchte,daß weil der Apotheker Frey nicht auf die Briefe antwortet, soich ihm schreiben lasse, daß er vielleicht muß gestorben sein unddie Bücher also verloren worden, welches mir desto leider ist, weilIhr mir sie gegeben und ich sie Eurethalben all mein Leben habebehalten wollen. Bedanke mich gar sehr für die obligeante Offre,so Ihr mir liebe Louise thut, mir ferner einigen Gefallen zu er-weisen, wie auch alle aialtis, so Ihr mir bezeugt, welches mich
recht touchiert. Seid versichert, liebe Louise, daß ich Euch auchrecht von Herzen lieb habe und allezeit behalten werde und nichtsmehr wünsche, als Gelegenheit zu finden. Euch und Eure Ge-schwister diese Wahrheit durch einige angenehme Dienste zu ver-
Elisabeth Charlotte.
Amelisgen embrassiere ich von Herzen; ihr Andenken ist mirallezeit gar angenehm.
An die Raugräfin Louise.
(13) Versailles, 25. März 1696.
Herzliebe Louise, ich beklage sehr, daß Ihr mit Flüssen aufden Zähnen geplagt seid: denn man sagt, es wären abscheulicheSchmerzen. Ich habe, Gott sei Dank, mein Leben kein Zahnwehgehabt, weih es also nur von Hörensagen. Daß ich Euch schreibe,bedarf keiner Danksagung. Es geschieht gar gern. Ich war schonzu alt, wie ich in Frankreich kam, um von Gemüt zu ändern;mein Grund war schon gesetzt und hieran ist gar nichts zu ad-mirieren, liebe Louise! aber ich wäre unerhört zu blamieren ^),wenn ich falsch wäre und die nicht liebte, die ich zu lieben schuldigbin. Daß Euer Herz sich bewegt, wenn Ihr meine Briefe les't,das muß das Geblüt thun und sind wir einander ja nahe genug,um dessen Regungen zu empfinden. Ihr habt recht zu glauben,daß ich schreibe, wie ich rede; denn ich bin zu natürlich, um an-ders zu schreiben, als ich gedenke. An ts-nts hat die venezianischeGesandtschaft auch zu Hannover gehabt; junge Leute, so erst ausdem Nest kommen, scheinen allezeit einfältig zu sein, aber man
') Hier in der wörtlichen Bedeutung — tadeln.