Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans. 57
Euch durch Mr. Amirault geschrieben, werdet Ihr ersehen haben,daß ich leider des guten ehrlichen Hn. Max Tod schon gewußthabe und versichere Euch, daß er mir Thränen gekostet hat, kannalso leicht begreifen, wie es Euch muß zu Herzen gegangen seinund auch Amelise, daß er Euch noch vor seinem Ende geschriebenund von Euch Abschied genommen, jammert mich von Herzen.Er ist doch glücklich gewesen, zu glauben können, daß er die guteBase Amelie in jener Welt zu sehen bekommen könnte; das hatihm des Todes Bitterkeit versüßt. Na tants schrieb mir ein-mal, Hr. Max heirate sich wieder, weil er sich eingebildet, diese
zweite gleiche der ersten Frau. Eure Reflation ist wohl wahr,daß ein Freund nach dem andern fortgeht. Wenns einmal an-gefangen hat, kanns nicht mehr aufhören. Ich habe diese Experienzleider auch nur gar zu viel experimentiert und Gott weiß, was
ich noch täglich drüber empfinde. Wie könnte es möglich sein,
daß wir alle I. G. des Churfürstens s. Kinder anders denkenkönnen, als daß wir alle unglücklich sind, da ja keins glücklichgeworden ist! Weil uns Gott so viel und mancherlei Herzeleidzuschickt, so scheint es wohl klar, daß er uns nicht lustig habenwill, denn es ist gegen der Natur, unglücklich und lustig zu sein.In der ersten Jugend und wenn man noch nicht recht reflektierenkann, könnte es wohl geschehen, daß man noch im Unglück lustigist, wenn man einen lustigen Humor gehabt hat; allein wenn manin meinem Alter kommt und so viel ausgestanden, dann vergehteinem alle Lust. Andre Leute, so noch unglücklicher sind, als wir,können nicht trösten, denn man kann noch fürchten, auch in sel-bigen Stand zu fallen. Mich deucht, daß nicht selber schuldigan seinem Unglück zu sein, ist desto schlechter Trost, daß mannoch, so zu sagen, eine Ungerechtigkeit aussteht; sich aber in denWillen Gottes ergeben, ist eine andre Sache und die beste Partie.
An die Raugräfin Louise.
(21) St. Cloud, 21. Juni 1697.
Herzliebe Louise, vor einen *) Tag oder 14 habe ich Eurenlieben Brief vom 11./21. Mai zu recht empfangen, konnte aberunmöglich drauf antworten, denn ich war noch nicht fix genugmit der linken Hand zu schreiben; und dem Fräulein von Rath-
Im Sinne von: einigen.