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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
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58 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans.

samhausen die Briefe zu diktieren, wäre ein wenig beschwerlich,denn sie Lithographiert blutsübel. Ihr werdet vielleicht denken,liebe Louise, daß dieses Fräuleins Hand nicht schwerer zu lesen,als meine linke würde gewesen sein und das mag wohl sein; alleinich denke, daß, häßliche Schrift für häßliche Schrift, Ihr dochlieber die Mühe nehmen werdet, mein häßlich Gekritzel zu erraten,als eines andern seines; will Euch derowegen selber alles erzählenund meinen Zustand berichten. Es ist just heute vier Wochen,daß ich mit Monsieur Is äs-uxbin den Wolf jagen wollte. Eshatte geregnet und war gar glatt. Wir hatten 2 Stunden langeinen Wolf gesucht und nichts gefunden, wollten derowegen ineine andre onvsints reiten, da man meinte, daß der Wolf hin-gekommen wäre. Wir gingen den ganz gemachen Schritt, aufeinmal rennt einer ungefähr bei mir, das giebt meinem PferdLust auch zu rennen. Es erhebt sich ein wenig und mit denHinteren Füßen kommt es auf das nasse Gras, da glitschen ihmdie beiden Hinterfüße auf einmal aus und fällt ganz gemach aufdie rechte Seite, mein rechter Ellenbogen findet just einen Stein,damit ging mir der große Knochen vom Arm auseinander. Mansuchte gleich des Königs Balbirer, konnte ihn aber nicht finden.Er hatte ein Hufeisen verloren und war in ein andres Torf ge-ritten, sein Pferd beschlagen zu lassen. Ein Bauer, so eben dawar, sagte, daß zwei Meilen von da ein gar geschickter Balbirerwäre, so alle Tage Arm und Bein einrichtete. Wie ich hörte,daß er eine so große Experienz hatte, setzte ich mich in Kalescheund fuhr hin, litt große Schmerzen unterwegs; sobald er miraber den Arm wieder eingerichtet hatte, fühlte ich gar keineSchmerzen mehr, setzte mich derowegen wieder in Kalesche undfuhr in vollem Trab her. Andern Tags kamen Monsieur undmeine Balbirer, die Couriosität anzusehen, ob mein Arm recht ein-gerichtet war (ich glaube, es mischte sich auch ein wenig Neid mit-unter, daß der Bauer es so wohl gemacht hatte), gehen und machendiesen Mann weiß, daß, wenn er nicht gleich nach meinem Armsieht, könnte der kalte Brand dazu schlagen. Der arme Bauerläßt sich von den bösen Balbirern überreden, macht mir den Armlos, so 9 Tage hätte sollen verbunden bleiben, bewegen mir denArm hin und her, verbinden mich so übel, daß man andernTages wieder alles aufreißen muß, welches mir eine so abscheu-liche Geschwulst auf die Hand und den Arm gezogen, daß ich