60 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orleans.
begreifen, daß der gemeinen Leute Geld an den Komödien nichtübel angelegt ist. Erstlich sind die Komödianten arme Teufel,so ihr Leben dadurch gewinnen, zum andern so macht die KomödieFreude, Freude gibt Gesundheit, Gesundheit Stärke, Stärke machtbesser arbeiten; also sollten wir es mehr gebieten, als verbieten.Ihr habt wohl groß Recht, liebe Louise, über solche BagatellenEuch kein Gewissen zu machen. Ich liebe die Komödien sehr undwerde es nicht leicht müde. Die Hitze aber ist eine gute Ursache,um sich nicht in einen so warmen Ort einzusperren. Spazierengehen ist gesund, mit meiner dicken Korpulenz gehe ich doch nochbrav, aber das Steigen kommt mir nun schwer an.
An die Kurfürstin Sophie.
(24) Marly, 7. August 1698.
.... Man gesteht hier nicht, daß Mons. äs 6ami>ra^ seineBücher zu Rom approbiert worden sind, denn man examiniert sienoch, Mons. äs Rsvsrs hat sich für Mons. äs Osradraz' dekla-riert, wie E. L. aus hier beifolgende vsrs ersehen werden, so erselber gemacht, ich muß aber meine Ignoranz gestehen, ich ver-stehe die Hälfte nicht von diesen Versen, sehe wohl daß is mMigasmeine Sache gar nicht ist. Mad. de Maintenon versteht Is inz^tigusbesser, alles ist luMsrisux bei sie, ich muß gestehen, daß michnichts mehr gewundert hat, als wie ich gesehen, daß diese Dameihren so gar guten Freund den arollsvsgus äs Oaradraz- aban-donniert hat, denn sie aßen und tranken oft miteinander undwar keine Partie äs xäeäsir von dieser Dame, da dieser Erzbischofnicht mit bei war, keine Musik, keine Assembler ä'awis. er warbei alles, und jetzt verfolgt sie ihn in den Grund. Deswegenjammert er mich von Herzen, denn es muß dem guten ehrlichenMann sehr schmerzen, sich so verlassen und verfolgt zu sehen, vondenen, da er sein einzig Vertrauen auf gesetzt hatte. Sie (ichwill sagen Mons. äs 6awdi-s^ und Mad. duion) können dieThorheiten nicht leugnen, so in Mons. äs ölsaux sein Buch stehen,denn er hat Zeugen dazu und nichts in sein Buch gesetzt, so er
') Der berühmte Schriftsteller Fsnelon, der Verfasser des1'slsvmqus, der mit seiner Freundin, der Mad. Guion, eine eigneArt des Mystizismus predigte. Sein Gegner, der Bischof vonMeaux, ist der gewaltige Redner, Theologe und Historiker Bossuet.