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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
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Briefs der Elisabeth Charlotte von Orlsans. 59

noch auf diese Stunde die Faust nicht zuthun kann, noch die Handzum Mund führen; konnte doch beides thun, wie die verfluchteBalbirer mir den ersten Appareil abgethan hatten. Seit gesternnimmt die Geschwulst ein wenig ab, aber anstatt daß, wenn dieBalbirer meinen Bauer hätten gewähren lassen, ich jetzt ganzkuriert würde gewesen sein, werde ich noch länger als einen ganzenMonat in der verfluchten Balbirer Hände sein müssen. Außeraber dieser Geschwulst, so ich noch habe, bin ich im übrigen ingar vollkommener Gesundheit. Hiermit, liebe Louise, wißt Ihrnun ganz perfekt meinen Zustand.

An die Raugräfin Louise.

(22) Paris, 10. Nov. 1697.

.... Wie ich sehe, so liebt Ihr das Spielen eben so wenig

als ich. L'hombre ist sehr ä io. looäo hier, man spielt nichtsals Landsknecht und L'hombre hier im Land. Das Tanzen ist

was Rareres, glaube aber, daß es wieder aufkommen wird, denn

die zukünftige Duchesse de Bourgogne tanzt über die Maßen wohl.Man kann wohl bei dem Ball sein ohne tanzen. Schreibt mirdoch, liebe Louise, wie der Herzog von Lothringen aussieht undwas für einen Humor er hat. Ihr sagt zwar, daß er viel ge-tanzt hat, aber nicht, ob er wohl tanzt und gute Mienen hat.Der Kavalier, so die Blindekuh proponiert, bin ich versichert, istnicht der von der Kompagnie, so das schlimmste Gemüt hat, mußvon unsren Zeiten sein, denn zu unsrer Zeit spielte man langeSpielger. Etliche mal sind Avantüren, so invertieren, ob manschon die Leute nicht kennt, drum schreibt mir nur fort, was neues

vorgeht! Die große Mode hier nun ist, einen starken Husten zu

haben, ich bin 8 Tage hart dran fest gewesen, habe nicht ausder Kammer gekonnt, Monsieur hat es nun auch. Mir war eskein Wunder, denn hier zu Paris kann ich nie gesund sein, habedas Exempel seit 26 Jahren.

An die Raugräfin Louise.

(23) Marly, 4. Juli 1698.

.... Ich habe Euch schon letztmal meine Meinung ge-schrieben über die Pfarrer und Pfaffen, so die Komödien ver-bieten, sage also weiter nichts drauf, als nur, daß wenn dieHerren ein wenig weiter als ihre Nase sehen wollten, würden sie