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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
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64 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans.

muß sich zu viel Unglück resolvieren, und je höher man am Brettist, je empfindlicher find die Unglücke, denn man hat viel wenigerTrost als andre Leute; ich fürchte, die gute römische Königin wirdes bald empfinden. Wenn man mir ihre Jugend, ihren Standund noch dazu Tonnen Gold des Jahres geben könnte mit demBeding, daß ich so wie sie in steten Zeremonien leben sollte, wollteich nichts annehmen, denn ich würde in acht Tagen vor Langeweilesterben; Grandeur halte ich für bloße Chimären, wenn keine großeMacht dabei ist, und könnte mich gar nicht in das Leben schicken.Gott gebe, daß unsre römische Königin einen andern Humor alsich haben möge!

An die Raugräfin Louise.

(28) Versailles, 3. April 1699.

.... Die Jagd ist jetzt die Zeitvertreib nicht, so ich am meistenliebe, sondern die Komödien. Auf der Jagd gehe ich nunmehrnur wegen meiner Gesundheit, denn wenn ich keine starke Be-wegung habe, so habe ich abscheuliche Milzschmerzen. Ein Wolfist viel weniger als ein Hirsch zu fürchten, denn wenn sie gejagt,attakieren sie die Menschen nie. Ich weiß wohl, daß I. G. unserHerr Vater s. nie hat leiden wollen, daß man jagen solle undreiten, das habe ich auch erst hier gelernt. Ich bin wohl Vier-oder fünfundzwanzigmal gefallen, das hat mich aber gar nicht ab-geschreckt. Die Rathsamhäuserin H hat unmöglich mit den Grafenvon Hanau nach Frankfurt gekonnt, sie hat sich in einem Fallmit der Kutsche gar einen großen Schaden an einem Bein undFuß gethan, wie sie aus Lothringen gekommen, es ist noch nichtheil. Ich bin wohl Eurer Meinung, daß eine kleine Kompanievon guten Freunden hundertmal angenehmer ist, als der großeTumult; auch ganz und gar allein zu sein, hasse ich nicht, bringeschier mein Leben so zu. So übel ich auch die französische Or-donnanz in der Heirat fand, so muß ich doch wohl folgen, wassie mit sich bringt, indem man mich leider auf Pariser Brauchgeheiratet hat. Ich will Euch, liebe Louise, noch wohl was Aergeresdavon sagen: es kann geschehen, daß, ob man mir zwar viel Gut

Die Frau von Rathsamhausen, vgl. oben S.47 A. I). Siewird von El. Ch. selten richtig, sondern mit einer häßlichen Ver-drehung ihres NamensRotzenhäuserin" genannt.