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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlöans. 91

habe damit eine große Freude bei der Comtesse äs drainwont er-weckt; aber ich glaube, daß ich es selber bald werde von nötenhaben, denn mein Gesicht nimmt dermaßen ab, daß ich schier dieholländischen Zeitungen nicht mehr lesen kann, welches mich ganzbetrübt, denn die Brillen mißfallen mir sehr und ich kann nichtrecht draus sehen. Ich fürchte aber, daß ich bald dran muß,mn tonte die Frau Aebtissin von Maubuisson sieht noch sehrscharf, Gott Lob; vorgestern habe ich mit I. L. zu Mittag ge-gessen, der Verstand und guter Humor sind noch wie allezeit,I. L. sehen auch gar wohl aus ... . Das Einzige, so bei I. L.nicht ist, wie allezeit, das sind die Schenkel, sie gehen gar übel,wollen sich doch nicht führen lassen, das macht einem zittern vorAngst, denn sie geht so wackelig, daß man als meint, nun wirdsie fallen; sie nimmt's aber gar nicht wohl auf, wenn ihre Nonnenihr helfen wollen, ich hoffe aber doch, daß ohnangesehen dieserUngemächlichkeit im Gehen I. L. noch lang, ob' Gott will, leben

werden. Denn wie schon gesagt, die 5 Sinne sind noch perfekt

gut und die Repartien recht voller Vivacität, mit einem Wort,sie sind, Gott Lob, noch ganz wie sie sein sollen. Ich habe auchdie insrs 8t. ^Isxis, so man auch Mad. ll'aZon heißt, gesehen,sie sieht noch ein wenig mit einem Auge, ist aber gar taub, siekann aber noch gar wohl gehen und der Verstand ist noch gar

gut, sie ist wohl 12 Jahre älter als ina tauts die Frau Aeb-

tissin, hoffe also, daß sie noch so lange als diese leben werde.Ich schicke E. L. hierbei Verse, so man zu Maubuisson gemachtund auf den St. Tag von Louis, als der Frau Aebtissin Namenstag,prononcirt hat, sie sind von Mons. 6sr und toll genug, habenunsre gute Aebtissin wohl von Herzen lachen machen.... Wirsind hier seit gestern abend, ich fuhr erst nach St. Cloud, meineEnkelin zu besuchen, habe meinen kleinen Sohn') so schön gefunden,daß ich meinen Sohn gebeten, ihn malen zu lassen, wenn ich seinContrefait haben werde, will ich E. L. eine Copie davon schicken,bin gewiß, daß, wofern der Maler diesen Buben recht trifft, wirder E. L. nicht mißfallen. Nachdem ich mich ein wenig mit dieKinder alle amüsiert, fuhr ich hierher und fand das schönsteSpektakel, so man sehen kann, nämlich eine Illumination: es istein großer Schwibbogen wie ein Dom, ein rechter aro äs

') Enkel — xstit lüs.