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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
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96 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans.

fehle ich nie an, las gestern den 54. und 55. Psalm, das 14.und 15. Kapitel in St. Matthäus und das 3. und 4. Kapitelin St. Johannes; denn ich mußte für heute und morgen lesen,denn heute hätte ich's nicht gekonnt; denn wir haben morgensden Hirsch gejagt. Daß man die Reformierten hier im Landübel traktiert hat, approbiere ich nicht, allein man sieht wohl, daßdie Politik allein schuldig daran ist. Aber dieses alles sind Ma-terien, die gut tsts L tets sind, aber in Postbriefen taugt esnichts; will derowegen Eurem guten Exempel folgen und vonwas anders reden. Der Prinz de Naullsc hat nur die Angstvor den Blattern gehabt, es ist aber nichts daraus geworden undist wieder frisch und gesund. Was ihm weiter geschehen wird,soll die Zeit lehren. Die Generals und Offiziere sangen auchan, hier wegzuziehen. Der Iluv äs Vsnävnis hat nun Veiüseinbekommen, hat sich auf Diskretion ergeben. Ich muß lachenüber das Lied, so Ihr citiert. Wer kann Euch das gelernthaben? Das Jubilse hat noch nicht alle Abbss bekehrt; manmöchte zu Paris noch wohl etliche finden, so sich vor den Damenschicken. Das habe ich mein Leben nicht begreifen können, wieman verliebt von geistlichen Leuten sein kann. Weder EureSchwester noch Ihr habt gar die Reputation nicht, kokett zu sein.Daß Ihr nicht dessimulieren könnt, liebe Ameliese, da könnte ichwohl sagen: rsvounaia man Das habe ich auch

nie lernen können, ob es mir zwar wohl hoch nötig gewesen wärein diesem Land, da man gar wenig Sincerität findet. Was michhier an Freundschaft zu machen verhindert, ist, daß man schierkeine mit jemands hier haben jkannj, daß man nicht gleich sage,man sei verliebt in Euch oder Ihr seiet verliebt in jemands.Das hat mich allen Commerce brechen machen und habe gar keineFreunde mehr, bringe mein Leben einsam, ziemlich langweilig,aber doch in Ruhe zu. Ich sehe, daß Ihr von der Opinionseid, wie man im oxsra von Alceste singt:

lls u'ai H äs olloix ä tairs,

LonAsous L airnsr el s, piairs

') „Ich erkenne mein Blut wieder."

»Ich habe keine Wahl zu treffen. Laßt uns daran denken,zu lieben und zu gefallen, und laßt uns in Frieden leben! DieEhe zerstört die Zärtlichkeit und macht die Liebe reizlos. Lieb-haber, wollt Ihr unaufhörlich lieben, so heiratet niemals.