110 Briefe dir Elisabeth Charlotte von Lrlöans.
Fontaineblcau sind, habe ich sie hier behalten, bis wir wiederernstlich hin werden. Denn wird sie nach Luneville zu meinerTochter und von da nach Straßburg bis auf den Frühling; dennwird sie wieder her, wills Gott. Meine Tochter verliert keineZeit Kinder zu bekommen; es wird nun 8 Jahr, daß sie ge-heiratet ist, und sie geht mit dem 8ten Kind schwanger. Bor-gestern dachte ich noch an Euch, liebe Amelise! Denn alle meineLeute kamen alle und zupften an meinem Aufgesetz; denn es warganz schief. Es geschieht mir oft, wenn ich einmal gerade auf-gesetzt bin, macht man mir Komplimente drüber, aber es ist rar.Ich muß lachen, ob ich zwar wenig Lust dazu habe, daß IhrAmpassade für Ambassade geschrieben. Ampassade heißt man hiereinen Sergeanten, welches schön wäre um die Kurprinzeß abzu-fordern. Der Brautrock und alles andre Geräte wird wohl baldvon hier weg. Ich werde ihn aber nicht vor seiner Abreise sehen;der Schultes ist so impertinent mit mir umgegangen, daß ichnichts mehr von dem Flegel hören will. Wie heißt der Kammer-präsident, zu welchem Ihr zu Gast gefahren seid? Liebe Amelise,Ihr habt in Eurer Verzählung von den Präsenten ein Bouquet
vergessen mit einem Rubinring, so um tsuts mir schreibt, das
der König in Preußen an seines Herrn Sohns Braut gegeben.Ich bin ganz unlustig; denn erstlich so bin ich in rechten Aengstenund Sorgen für meinen Sohn, der bis über die Ohren in der
Belagerung von Turin steckt und sich so wagt, daß es ein Wun-
der, daß er noch beim Leben ist, und zum andern, so hatte ichmich heute auf Brief von um tuuts gespitzt und habe keineempfangen. Das macht mich so launisch und ich für diesmalnichts mehr sagen, als daß ich Euch recht lieb behalte, liebeAmelise!
An Louise.
(81) Versailles, 16. September 1706.
Herzliebe Louise, freilich hat mir Amelise geschrieben, wasder König in Preußen geantwortet hat. Sie war damalen garlustig; denn sie hat mir damalen viel Vexiererei geschrieben, woich eine andre Zeit auf selbigen Ton würde geantwortet haben;aber seit vorgestern habe ich alle Lust zu lachen und vexieren ver-loren, indem ich die betrübte Zeitung bekommen, daß man meinesSohns Rat nicht hat folgen wollen und haben sich in den Linien