Briefe der Elisabeth Charlotte von Orleans. 109
An dieselbe.
(78) Versailles, 26. August 1706.Da ist nicht für zu sorgen. Eure Schreiben können mir
keinen Schaden bringen. Es ist viel Gewohnheit im Schreiben;wenn man's einmal gewohnt ist, kann man viel schreiben, ohneAngelegenheit davon zu haben; große Mühe habe ich eben nicht;denn ich schreibe nie nichts, so schwer ist und viel Nachsinnendbraucht. Na tauts hat einen so lebhaften Geist, daß I. L.alles leicht vorkommt; solche Vivacität da komme ich bei weitemnicht bei. Im Bett könnte ich unmöglich schreiben, ich schliefegleich darüber ein. Ich habe nie von dem Philosophen Lxiuo^s.gehört. War es ein Spanier? Denn mich däucht, der Name istspanisch.
An Louise.
(79) Versailles, 2. September 1706.Man wird itzunder geschäftig zu Hannover sein, nun alle
Fremden dort sind. Man sagt im Sprichwort hier: „rl«dass inglksur sot dorr;"') also wird Euch Eure Krankheitmanche Mühe ersparen. Ich werde dem guten ehrlichen MonsieurPolier 2) heute Euren Bries schicken; denn wird ihn von Herzenfreuen, daß Ihr Euch seiner noch erinnert. Womit er sich ammeisten erhält, ist mit dem Tabakrauchen; alle Tage nimmt eretliche Pfeifen Tabak. Für ins, tauts war nicht zu fürchten;denn die älter sind, erben selten von einer jüngern Person.Louise hätte es eher bekommen können. Es ist kein Wort wahr,daß mein Sohn die Armse nicht hat annehmen wollen. Er istleider nun vor Turin und ich fürchte sehr, der Prinz Eugen, soihm folgt, und er werden einander teufelsdings in die Haarekommen; bin in rechtschaffenen Aengften deswegen und diese Zeitung,so gestern angekommen, hat mich mehr als einmal diese Nachtgeweckt.
An Amelie Elisabeth.
(80) Versailles, 9. September 1706.Die Frau von Rathsamhausen ist wieder frisch und gesund.
Sie hatte vor 8 Tagen weg gesollt; weilen wir aber nicht nach
Für irgend etwas ist Unglück gut."
2) Abbs de Polier, vertrauter Rat der El. Charl., seit langerZeit ihr aufs genaueste bekannt.