112 Briefs der Elisabeth Charlotte von Orleans.
Ich würde christlicher finden, daß die zwei Könige sich um ihrKönigreich schlügen, als so viel Christenblut vergießen zu machen.
An Amelie Elisabeth.
(84) Versailles, 18. November 1706.Ich muh von Herzen lachen, liebe Ameliese, daß Ihr findet,
daß ich in meinem Konterfei, so ich ins. tsnts geschickt, schönund wohl aussehe. Wenn ein groß dick Gesicht, Platt Maul undkleine enge Augen was Schönes sind, so bin ichs gar gewiß undwerde noch alle Tage schöner; denn ich werde noch alle Tagedicker. Herzliebe Ameliese, ein jeder muh sein Verhängnis folgen;das meine hat mich in Frankreich geführt, da habe ich gelebt, damuß ich auch wohl sterben. Deutschland ist mir noch allezeitlieb und ich bin so wenig propre für Frankreich, daß ich meinganz Leben mitten im Hos in einer großen Einsamkeit zubringe.Weilen ich aber wohl sehe, das es Gottes Wille ist, daß ich hiersein und bleiben solle, habe ich mich drin ergeben, bin Euch abersehr verobligiert, nach mir zu verlangen; das muß das gute Ge-müte und Geblüts in Euch verursachen. Es sind viel Sachen inder Welt, so man verlangen sollte, aber durch die Umstände un-möglich werden; so ist es mit mir auch. Es ist nichts Verdrieß-licheres, als wenn man Einem den Kopf vollschwätzt, wenn manschreiben will. Es ist eine Thorheit zu glauben, daß man nichtsHübsches, noch Magnifiques, als in Frankreich, machen könne. Essind mit den vertriebenen Reformierten schier die besten Arbeits-leute aus Frankreich gangen; also leicht zu glauben, daß manjetzt in Deutschland eben so schöne Stoffe und allerhand Zeugwird haben können, als man hier hat.
An Louise.
(85) Versailles, 2. Dezember 1706.
Ich danke Euch sehr. Euch mit mir wegen meines Sohnes
Ankunft zu erfreuen. Seit er ins Ballhaus spielen geht, ist seineHand so viel besser worden, daß er nun wieder alle Finger regenkann und auf der Flöte spielen; hoffe also, daß, wenn er dasBad von Bourbon wird gebraucht haben, wie diesen Frühlinggeschehen soll, daß alsdann alle Kräfte wieder kommen werdenund mein Sohn nicht lahm bleiben swirdj. Aber wenn auchgleich ein Finger lahm bleiben sollte, ist es doch schier für nichts