Buch 
Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
Entstehung
JPEG-Download
 

116 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orleans.

Weil der Herzog von Kurland von bösem Humor und kränklichist, hättet Ihr ihn nehmen sollen, um bald eine fürstliche Witibzu sein. Er hätte Euch viel vermachen können, denn sie sollenviel bar Geld haben. Schönheit ohne Geld, da fragt niemandmehr nach.

An dieselbe.

(90) Versailles, 7. April 1707.

Es ist wahr, daß was lieben betrifft, nicht so Wohl auf

Deutsch lautet, als auf Französisch. In dem Fall lasse ich dasFranzösische passieren, aber daß man einander auf Französischschreibt, approbiere ich nicht. Denn warum kann man nicht eben-sowohl ohne Zeremonien in Deutsch als Französisch schreiben? Manunterlasse die Titel und schreibe nur ein Billet! So kanns garwohl geschehen. Es muß etwas in der Luft sein, so überall diejungen Leute so faul macht. Zu meiner Zeit war es die Modegar nicht und mich beucht, unsre Lust und Freuden gingen besservon Herzen als alles, was die jungen Leute nun mit ihrer Ge-mächlichkeit inventieren. Ich bin ganz Eurer Meinung, liebeAmelie, daß die Welt ganz verkehrt wird. Ich bin alles so müde,was ich sehe, daß ich ganz ein sreinits Einsiedlerin inmitten vonHos geworden bin, gehe mit niemand um als meinen Leuten, binhöflich, so viel mir möglich mit jedermann, habe aber mit niemandkein xarkioulisrs Freundschaft und lebe ganz allein, es sei, daßich spazieren fahre, sonst sehe ich von zwei bis neun keine SeeleMenschen, schreibe, lese oder mache Körbe wie die, so ich ms, tautsgeschickt hatte.

An dieselbe.

(91) Versailles, 14. April 1707.

Mein Husten hat sehr abgenommen, huste nur noch ein wenig

morgens und abends. Was hilft's, liebe Amelie? Ich kann sagenwie Mutter Anneken in der Komödie:Das Alter kommt mitmanchen Gebrechen." Ihr seid gar zu demütig zu sagen, daß Ihrnicht wert seid, daß ich Euch schreibe. Lieb und Freundschaft habeich für Euch, aber keine Barmherzigkeit. Meines Sohnes Rangkann in alten Büchern nicht recht beschrieben sein worden, dennin ewiger Zeit hat man keinen Neveu vom König in Frankreichgesehen. Ich weiß nicht, ob geistliche Bücher im Englischen an-