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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans. 115

sich ein, er könne Engel in eine Kammer kommen machen, meinSohn hat sich mit dem Narren divertieren wollen, da hat manihm zu Paris aufgebracht, er suche Wahrsager, so ihm sagensollten, wie lang der König leben würde, und hundert dergleichenImpertinenzen. Aus diesem Exempel seht Ihr wie es hier ist,das gleicht gar nicht an die Lust von der Braunschweigischen Messe.A-» tants hat mir die Opern nicht geschickt. Ihr sagt wohl,daß man alle Tage was Neues gesehen, aber nicht was man ge-sehen. Was die Redoute angeht, gestehe ich wohl, daß sie eitelist, aber was ist nicht eitel in der Welt? Salomon hat längstgesagt, daß alles eitel ist. Alles was Ihr mir von Braunschweigerzählt, finde ich artig und angenehm. Ich bin auch froh, daßman Euch zu Wolfenbüttel distinguiert hat.

An dieselbe.

(89) Versailles, 27. März 1707.

Herzliebe Ameliese, man sagte zu meiner Zeit in Deutschland:Ein Schelm, der sein Wort nicht hält; also muß ich Euch wohlheute schreiben. Ob ich zwar so einen abscheulichen Husten undSchnupfen habe, daß ich weder sehen noch reden kann, so will ichEuch doch heute schreiben und aus einem Irrtum helfen. Ichsehe, daß Ihr meinen Sohn für einen xriucs cku saux haltet,aber er ist es nicht. Seinen Stand heißt man xstit tils «lsb>8.uo6 und er hat einen größeren Rang und viel mehr Privilegien,als die xriuoss äu sanZ; sie salutieren die Königinnen, sitzenvor ihnen, fahren in ihren Kutschen, welches xrivess 6u suu§nicht thun dürfen. Ihre Domestiken haben Freiheiten, werden wieIss sutbuts cks Graues guartisr gedient, haben x>rswisrsou^sr, xrsiuior auwouier, xrswier inuitrs ä'llotst; dashaben die xrivoss äu 8NUA nicht, auch keine Leibgarde wie meinSohn und Schweizerwacht, also in allem gar ein großer Unter-schied zwischen Iss priiioss du ss.UK st pstit tils cts Ill'kwos.Ich höre als recht gern, wie es in Deutschland zugeht, bin wiedie alten Kutscher oder Fuhrleute, die noch gern die Peitsche klackenhören, wenn sie nicht mehr fahren können; also thut Ihr undLouise mir als einen rechten Gefallen, mir zu berichten, wie es zu-geht und wie lustig man sich macht. Der Herzog von Schombergwürde das größte Unrecht von der Welt haben, wo er die Ge-legenheit vorbeigehen ließe, seine Tochter zur Fürstin zu machen.