118 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans.
die Kaiserin nicht wäre, so ich herzlich lieb habe, wäre es mirlieber, daß der König in Schweden römischer Kaiser wäre, alskein andrer, weil er von unsrem Hause ist, aber der Kaiserin kannich nichts Uebles wünschen. Um die Sach allerseiten gut zu machen,müßte der Kaiser sterben und der König in Schweden den Kaiser-thron mit der Kaiserin besitzen. Ich bin recht froh, daß wa tantsnach Braunschweig geht, das wird die traurige Gedanken vertreiben;erfreue mich mit Euch, liebe Ameliese, daß Ihr auch hin werdet.Das Sprichwort habe ich mein Tag nicht gehört, daß man sagt,man stoße einem das Maul auf den Tisch, wenn man einen zuGast ladet; so wollte ich, daß Ihr mir das Maul auch auf denTisch stoßen möget. Man ist als froh, gute ehrliche Leute zuFreunde zu behalten. Es gibt Gute und Böse in allen Nationenund in allen Religionen.
An dieselbe.
(94) Fontainebleau, 14. September 1707.
Freilich schreibe ich mehr als einen Brief des Tages, esgeht kein Tag vorbei, daß ich nicht aus wenigstens vier Briefeschreibe, des Sonntags oft zwölf. Ich erfreue mich mit Euch,liebe Ameliese, daß Ihr von der Braunschweigischen Reise seid,denn es ist nichts Betrübteres als alle Menschen wegzuziehen sehenund allein zu Hause zu bleiben. Ein guter Frieden wäre wohlzu wünschen. Im Türkenkrieg kommen auch viele ehrliche Leuteum. Mich deucht, überall Frieden wäre am besten. Auf allenSeiten und Religionen verderben die Pfaffen die Christen mit ihreniZanken; das benimmt den Glauben ganz, denn glaubte man recht,würde man besser und christlicher leben. Ihr werdet nun wohlwissen, daß unsre Prinzen hier nicht zu Felde gehen. Toulon ?)hat sich ohne sie entsetzt. Ein französisch Sprichwort sagt: „tzuiirox sinbrasss mal stroint 3)." Man hat Toulon und Marseille
Karl XII. Die Neigung El. Charlottens zu ihm erklärtsich daraus, daß man damals in Frankreich hoffte, ihn zum Bun-desgenossen zu erlangen.
2) Toulon war von den Engländern und den Kaiserlichen an-gegriffen worden, hatte sich aber unter Leitung des MarschallsTests so tapfer verteidigt, daß die Belagerer ihren Angriff aus-gaben.
„Wer zu viel unternimmt, führt das Meiste schlecht aus."