Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlöans. 119
auf einmal einschlucken wollen, beides hat gefehlt. Von der i»ck.äs N. ') will ich nichts sagen, sie haßt mich ohnedies genug.
An Louise.
(95) Fontainebleau, 14. September 1707.
In diesem Augenblick bekomme ich eine Zeitung aus Spanien,
welche mich recht in Sorgen setzt. Das Fieber hat meinen Sohnziemlich stark angestoßen, alle seine Leute sind krank gewesen, nunist er es auch. Er hat mir selber geschrieben, meint, es wärenur von Fatige. Der Herzog von Savoyen hätte die Leute nichtso blutiibel traktieren sollen, wenn er sie hätte auf seine Seitebringen wollen, wie das Sprichwort sagt: „Mit Essig sängt mankeine Mücken." Er hat sich durch Brennen, Sengen und Violierenso erschrecklich verhaßt gemacht, daß kein Proven;al ihn nicht selbergern ums Leben bringen möchte, lieber als sich ihm ergeben.
An Amelie Elisabeth.
(96) Versailles, 12. Januar 1708.Mein Gott, wie halt ich Euch so für glücklich hinzureisen
können, wo Ihr nur hin wollt. Nichts thue ich lieber als reisen.Seid versichert, daß mir zu schreiben recht wohlgethan ist, undhabt hierüber gar keinen Skrupel. Das ist albern in Deutschland,daß man verbietet zu schreiben. Weder Ihr noch ich mischen unsja in keine Staatssachen. Warum sollten wir denn einander nichtschreiben? Wer hat denn die alberne Posse aufgebracht, so in denvorigen Kriegen nie gewesen ist? Lla tavts werde ich diesen Briefschicken, damit Ihr ihn sicher bekommen mögt! Ihr habt ja inden bösen Wegen nicht umgeworfen. Es hat mich recht in derSeelen gefrcuet, daß Ihr sagt, daß das gute ehrliche Heidelbergwieder so wohl gebaut ist. Gott wolle es vor ferner Unglück be-wahren! Aber seit rooosieur äs Uouvois tot, brennt und sengtman nicht mehr wie zu seiner Zeit, hoffe also, daß es wird nichtmehr gebrannt werden. Ich bitte, schreibt mir, wo Ihr logiertund in welcher Gasse Ihr wohnt! Ich möchte auch wissen, obdie Heilige Geist-Kirche und die Neckarbrücke wieder gebaut sind?Warum läßt der Kurfürst das Schloß nicht wieder zurecht machen?Es ist ja wohl der Mühe wert. Heidelberg hat eine gute Lust,
') Natürlich Maintenon.