Briefe der Elisabeth Charlotte von Orleans.
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An Louise.
(99) Versailles, 22. Dezemb. 1708.
Ich meinte, es wäre keine Universität mehr zu Heidelberg
und daß die Sapienz abgebrannt wäre und keine Studenten mehr,bin froh, daß die Universität wieder aufgerichtet ist. Wir habenkeinen Schnee hier. L'hombre spielen glaube ich nicht, daß Euch,liebe Louise, jetzt gut ist, denn die vielen Farben verblenden dieAugen und zu diesem Spiel gehört viel Applikation. Ihr müßtja wohl mit mir von allerhand reden, das ich weiß, denn Theo-logie noch Philosophie, da weiß ich nichts von und da könnte ichnicht auf antworten.
An dieselbe.
(100) Versailles, 5. Januar 1709.
Ich danke Euch, mir die Zeitungen geschickt zu haben, sie
haben mich recht lachen machen, aber es ist kein Wort wahr, wassie hier vom Hof sagen. Es möchte aber wohl mitgehen, alswie man in dem Spielchen singt: „Von da kommen wir Geckenund Nonnen her, Herr Domine" zu Ende vom Spiel nämlichund: „Was nicht ist, kann werden wahr, ssäs sscks e-oneto,guiä nostrs äoinins!" Wenn schon, wie oft geschieht, jemandmeine Briefe sehen sollte, schadet's nicht und kann mir keine Händelmachen, denn ich sage es nicht, die Zeitung sagt's. Trum schicktsie mir nur immer fort.
— — — — Es erfreuet mich, daß Eure Augen besserwerden und wünsche von Grund meiner Seelen, bald zu hören,daß Ihr wieder in vollkommener Gesundheit seid. Es ist wahr,daß ohne den Frieden nicht zu raten wäre, herzureisen, aber wennes Frieden wäre, könnte es incognito gar wohl geschehen. KeineZeit in der Welt kann kommen, daß ich mein Herr sein könnteund aus Frankreich ohne Urlaub. Die Christfeierlage zu wün-schen, das habt Ihr an den neuen Heidelbergischen Hos gelernt,bei dem alten hielt man sich nur an den Neujahrstag, dankeEuch aber sehr, liebe Louise, für alle guten Wünsche, so Zhr mirthut, und wünsche Euch hiergegen wieder ein glückseliges, fried-und freudenreiches neues Jahr, vollkommene Gesundheit und alleswas Ihr selbst wünschen und begehren möget, und an Amelieseauch.