Briefe der Elisabeth Charlotte von Orleans. 131
jungen Menschen erlaubt, seinem Vater nicht so exakt zu folgenund eine öctiaxxss um in Krieg zu gehen, wird von jedermannapprobiert werden. Alle, die in Krieg gehen, kommen nicht um,aber sollte das Unglück geschehen, so würde es von Gott vorsehensein, also nicht zu ändern sein. Die Welt zu sehen, wird ihmnicht schaden, insonderheit nach Hannover zu gehen, wo ihn mntaats mehr in einem Monat ziehen wird, als er sein Leben inEngland hätte gezogen werden können.
An dieselbe.
(107) Versailles, 27. April 1709.
Ich wünsche sehr, zu vernehmen, daß es mit Amelieses Bes-serung Bestand haben mag. Von so einem Zustand habe ich wohlmein Leben nicht gehört, aber um die Wahrheit zu sagen, so istmir bang dabei, daß es ein schlimm End nehmen mag; verlangesehr auf übermorgen, um zu erfahren, ob die Besserung, wie ichwünsche, continuiert hat. Ihr werdet wohlthun nicht mehr „mitUrlaub" zu sagen. Ich weiß nicht ob Ihr Euch noch der altenFrau von Wolzogen erinnert, die so Platt westfälisch sprach undvon ihrem Sohn Tondorf als sagte: „Mein Sohn Hansjörg dehet einen Grind auf dat Häupt gehabt, dat roch, met Verlöff,als fühlei) Käse." Da haben wir oft wohl herzlich über gelacht.Hier sagt man zu nichts „mit Urlaub", als in Vexiererei. Ihrseht wohl, daß es wahr ist, daß die Kunst, spitze Kirchtürme zumachen, abkommen ist, weil man den von der Heiligen Geist-Kirche nicht so spitzig hat machen können, als der vorige war. Istdie lutherische Kirche in der Vorstadt auch wiedergebaut worden,die so hell und artig war? Vor alters ist die Klosterkirche undwar dabei allezeit ein Kloster gewesen. Sankt Peterskirch ist esnicht die, so so einen großen Kirchhof hat hinter der Kelter, woder Schloßberg anfängt? Ich bin nie drinnen gewesen, aber vonaußen scheint sie klein und dunkel zu sein; glaube nicht, daß alleReformierten, so zu Heidelberg sind, hinein können. Ich möchtewünschen, daß Kurpfalz das liebe Schloß auch wieder wollte zu-recht machen lassen, es jammert mich recht, wüst zu bleiben.
') Faule.