134 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans.
kümmert nie so sehr, als wenn man jung ist. Gott der All-mächtige wolle I. L. lang bei dero guten Gesundheit erhalten!Zu alle Eure gute Wünsche für unsre liebe Kursürstin sage ichvon Herzen Amen. Ob mein Dieb, der Schatzmeister, zwar Mittelhat, so hat er mir doch soviel gestohlen, daß ich lang Ungelegen-heit davon haben werde. Ich habe nichts, das ich verkaufenkönnte. Mein Wittum ist auf ein Apanage, das kann nicht ver-kauft werden. Bald werden die Kommissarien die Sache vorneh-men. Ich chagrinicre mich aber nicht drum, verlasse mich aufdie Providenz. Wie kommt's, daß Eure Schwester nicht ist in derKlosterkirche begraben, da alle Eure Geschwister sind begraben wor-den? Es ist eine Schande, daß Kurpfalz Euch das Eurige so ein-holt. Mich deucht, vor diesem war die Welt nicht so interessiert,als sie nun ist. Es ist unbeschreiblich, wie die Leute hier aufsGeld und Stehlen versucht sind. Das kommt hier von dem Kaufenund Verkaufen der Chargen, denn sie meinen, sie geben nur ihrGeld auf Interesse. Ich habe gern lange Briefe, also laßt Ench's,liebe Louise, nie gereuen, wenn Ihr mir einen langen Brief schreibt!Na tauts hat mir zwei Relationen von des Deutschmeisters Avan-türe geschickt. Ich hätte I. L. sehen mögen, weil man mir ver-sichert, daß er meinem armen Bruder s. gleicht. Ich habe dochlachen müssen, ckaobs ihre Furcht beschreibt Ihr recht natürlich.Ich weiß der Frau von Degenfeld recht Tank, daß sie Euch zutrösten kommen ist, sie muß ein gut Gemüt haben, welches injetzigen Zeiten etwas Rares ist. Der pfälzische Hof wird nun ingroßer Trauer sein, denn die verwitibte Kurfürstin zu Pfalz sollgestorben sein. Wir haben hier gar nichts Neues, alles geht schla-pies her, wie die Hinderson als pflegt zu sagen.
An die Kurfürstin Sophie.
(112) Versailles, 22. August 17V9.
.... Wie ich eben in Paris durch die Pforte St. Honoröfuhr, sah ich alle Leute laufen und ganz verstört aussehen, etlichesagten: ad wo» vier,. alle Fenster waren voll Leute, etliche warenauf die Dächer geklettert, unten sah man alle Butiken zumachenund die Thüren von den Häusern verschließen, xalais ro^al selberwar zu. Ich konnte nicht begreifen, was das bedeutet, wie ichaber in den inneren Hof kam und ausstieg, kam eine Bürgers-