Briefe der Elisabeth Charlotte von Orleans. 149
Kurfürst zu Braunschweig und wu taute, also kein Wunder, daßihre Leute besser bezahlt werden und größere Besoldungen haben.Meine Hofmeistcrin hat achttausend Franken, aber sie muß alleihre Bedienten und eigne Kutsch unterhalten. Zum neuen Jahrbekommt sie nichts als Bagatellen. Ich glaube leicht, daß wennes nicht aus Lieb für wo taut« wäre, daß Ihr lieber für Euchselber leben würdet, als bei Hos sein; anderwärts wollte ich Euchauch nicht raten. Ich wollte wohl wetten, daß des Königs vonSpanien Unglück keinen Frieden bringen. Man will hier die Machtnehmen und Spanien auch und an Frieden denkt man nicht. Michwundert, daß inu tuuts nicht müde wird, allezeit an einem Ortzu spazieren. Ich ändere gern meine Promenaden und werde einenschönen Garten ehe müde, als einen wilden Wald, oder Wiesenmit Weidenbäume und Bächen.
An dieselbe.
(126) Versailles, 6. Oktober 1710.
Hier glaubt niemand anders, als ich Euch letztmal geschrieben,,als gar ignorante Leute, die ihr Leben keine heilige Schrift ge-lesen haben. Man kann keinen besseren Wunsch thun, als denIhr mir thut. Außer die seligmachende Gnade Gottes ist allesfür nichts zu rechnen. Liebe Louise, danke Euch gar sehr dafür.Die Domherrn in Deutschland verstehen sich besser ein Glas WeinBescheid zu thun, als was Religionspunkten betrifft. Die Jesuwiterhier glauben, wie ich und mein Beichtvater auch würde nichtapprobieren. Ich glaube, sie sagen nur, um zu disputieren. Esist mir als leid, wenn ich einen von rou tants Briefen verliere,sie sind mein größter Trost. Ich weiß nicht wie man jetzunderso Disfikultäten über die Passe-port macht, die man doch vor diesemgar leicht geben hat. öln taiiio geht oft in die Nachtluft, dasmacht geschwollene Backen, aber das ist gottlob nichts Gefährliches.Ich spaziere nicht gern die Nacht, viel lieber bei Hellem Sonnen-schein. Wir haben hier seit drei Wochen das schönste Wetter,wärmer als es in den Hundstagen gewesen. Den Eifer für dasArbeiten kann ich nicht begreifen. Hannover und Herrnhausen sindnun ein klein England geworden, weilen alles so voll Engländersteckt. Na tanttz hat mir von dem artigen Engländer geschrieben.Der Chevalier muß übel erzogen sein worden, so sich bei demKurprinz hat setzen wollen, ein Franzose hätte es nicht gröber ge-