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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
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152 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orleans.

iua taute Paket, welches ich wohl mit Freuden empfing, fandEuren lieben Brief drin, und wie ich eben in dem Lesen begrif-fen war, rief man mich, um etwas zu sehen, so ich hatte holenlassen. Wie ich geschwind ins zweite Kabinett will gehen, bricht einStück Parquet. Ich weiß nicht wie man das Deutsch heißt, denn ichhabe mein Tag kein Parquet in Deutschland gesehen, sondern nurBretter und Dielen, weiß also dieses gar nicht in Deutsch zu nennen,sage drum nur Parquet. Ein Stück davon brach mir unter derHacken und verdrehte mir den Fuß, daß er mir ganz verstauchtwar und that mir bitter wehe. Man hat mich in einer offnenEhaise, wie den Pabst, ins Oper getragen. Mein Fuß hat mirdie ganze Nacht bitter wehe gethan, kann nicht fest auf den Fußtreten, noch weniger gehen. Man sagt, ich werde wohl ein Wach 3

nicht aus der Kammer gehen können.Es ist nötig Glück

zu den hiesigen Bedienten zu wünschen. Zwei haben mich schonnacheinander betrogen und auch zwei Schatzmeister haben mich nach-einander bestohlen, also habe ich wohl Ursach, mißtrauisch zu sein.Ich bemühe mich ordinär nicht mit Rechnungen zu übersehen, die-ses war nur um zu wissen, ob ich alles befohlen hatte auszu-geben, so in der Rechnung stand, sonst verstehe ich nichts in Rech-nungen. Es ist wohl gewiß, daß krittliche Sachen einem kritt-lich machen. Was einem aber auch meisterlich krittlich macht,ist, wenn man schreibt und in allen Linien interrompiert wird,wie mir heute geschieht, denn der ganze Hof kommt zu mir wegenmeines verstauchten Fuß. Ich finde, daß um tam« wohl thut,sich nicht mit verdrießlichen Sachen zu belästigen. Mein SohnsLeute sind mir nicht so favorabel, als des Kurfürsten Schatz-meister an inn taute, denn ich werde bitter übel bezahlt, manist mir dort über hundert und fünfzigtausend Franken schuldig2 mal, und fünfzigtausend und 2 hunderttausend, so mir der ver-storbene Schatzmeister schuldig ist. Das machen 7 mal hundert-tausend Franken, so ich weniger habe, als ich haben sollte, dasinkommodirt doch. Es ist leicht zu erraten, wie um taute ihrGeld verthut. I. L. sind gar charitabel, können niemands leidensehen, ohne beizustehen; so geht das Geld bald fort. Lla tautethäte nicht übel, Euch die Rechnung zu überlassen, denn Ihr ver-stehet es wohl. Ich gönne ras, taute und Euch die Freude rechtwohl, I. L. den Kronprinz und Kronprinzeß zu Hannover zusehen. Hier friert es noch nicht, sondern ist so warm, daß man