154 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orleans.
An dieselbe.
<131) Versailles, 28. Dezember 1710.
Nun werde ich auf Euer liebes Schreiben völlig antworten.Es ist, sowohl als das erste, auch vom 15. dieses Monats. Es istschon 5 ganzer Wochen, daß ich mir den Fuß verstaucht habe undthut mir noch so wehe, daß ich unmöglich wie ordinär gehen kann.Es wird mir eilich mal bang, daß ich gar lahm an dem Fuß bleibenwerde. Ich glaube, das, was mein Fuß verdorben, ist, daß ich etlichStund habe sein müssen, ehe man mir was drauf gelegt, denn mantonnte meinen Balbierer nicht finden, so ausgangen war. Hier wenndie Leute den Fuß verstauchen, stellt man den Fuß gleich in einenEimer mit kalt Wasser; das wollte ich nicht thun, fürchtete, ichmöchte mich verkälten und den Durchlauf geben, welches mir garbeschwerlich würde gewesen sein, indem ich nicht zu Paris schlafentonnte, sondern wieder her mußte. Weilen ich aber so lang habewarten müssen, hat mir der Fuß geschwollen und der Fluß istdrauf gefallen, und wie ich gar dick, schwer und unbeholfen bin ')....Der arme, gute, ehrliche Monsieur Polier ist übel gewesen. Eswar mir bang vor ihm, er hat sich aber gottlob mit seinemvlu ä'öwstigas saldiert. All eben wohl, so wird er just imzukünftigen Januari 91 Jahr alt werden. Ich wollte gern, daßer noch bis aufs Hunderte Jahr kommen möchte. Ich kann nichtbegreifen, wie um tauts gelitten, daß ihre Damen ihre Schuldig-keit nicht bei der s. Königin in Preußen abgelegt. Ich bin wohlso gut als diese Damen, bin allemal zu Fontainebleau früh aus-gestanden, die Königin in England an die Kutsch zu begleiten.Ich kann leicht begreifen, warum Eure Fräulein so meisterlossind. Zu Onkel s. Zeiten muß das angefangen haben, wie dieGräfin Platen noch Fräulein war, und so lang solche Ursachensubsisticren, kann keine Ordnung gebracht werden, denn man darfandre Leute nicht bös machen. Ich glaube, wie unser Graf vonWittgeustein als pflegt zu sagen, daß der Hase da im Pfeffer-liegt.
An dieselbe.
<132) Marly, 10. Januar 1711.
Nimmt man die Trauer nicht wieder zu Hannover für den
l) Zu ergänzen: „so macht mir jede Bemerkung heftigeSchmerzen."