Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans. 155
Prinz von SalnQ) oder geht alles in ein? Ihr seid noch zujung, um allezeit schwarz zu tragen. Schwarz mit Hermelin trägtman hier nur in der Trauer, ist sehr L in nioäs drüben imBall, die meisten sind so gekleidet. Das Christkindchen, wie ichsehe, hat Euch englische Spitzen beschert. Mein Gott, wie habeich mich vor diesem auf das Christkindchen gefreuct! Wenn manalt wird, freut einem selten etwas. Contrefaits abfordern, hältman für keine Bettelei. Das wäre nicht obligeant gewesen, wennIhr die Kronprinzessin gebeten hättet, daß sie Euch ihr Contrefaitnicht geben solle. Worinnen soll dieses sie inkommodieren können?Sie hat ja die Hülle und die Fülle. Es ist artig an diesePrinzeß, daß sie ihre gute Freunde nicht vergißt und beständigin ihrer Freundschaft bleibt, sie muß wohlgezogen sein und Senti-ments haben; das gleicht nicht an unsre Jugend hier. Warumwollt Ihr abgeschmackt sein, liebe Louise? Bringt Euch das nichtim Kopf! Alle großen Herren sind zu respektieren, aber lieb zuhaben sind nur die, so einem auch lieb haben. Was gehts einemsonst an? Die Ihr genannt habt, seid Ihr wohl versichert, daßsie Euch herzlich lieb haben. Meine Qualitäten können bei wo,tonto noch der Kronprinzeß nicht kommen, ich Piquiere mich abervon gutem Gemüt, das muß meinen kurzen Verstand ersetzen.Ich glaube nicht, daß ich noch gar lange Jahr zu leben habe,ich werde gar zu unbeholfen. Ich wünsche mir den Tod nichtund scheu ihn auch nicht sonderlich; weilen es eine ganze notwen-dige Sache ist, muß man sich wohl in den Willen Gottes er-geben; danke Euch sehr, liebe Louise, für Eure gute Wünsche.
An dieselbe.
(133) Versailles, 28. Februar 1711.
Die Briefe sind länger unterwegs, als nie, weil alle Ge-wässer überlaufen sind, von welchen man alle Tag ein neu Un-glück hört, um Orleans herum sind zweitausend Menschen ersoffen.Hierbei werdet Ihr wieder ein Jläschchen mit weißem Balsam be-kommen, wünsche von Herzen, daß es Euch wohl bekommen mag.Wenn Ihr mir's werdet berichtet haben, werde ich Euch mehrschicken, behaltet was Euch nötig ist und versprecht (zu brauchen,)
i) Prinz Karl Dietrich Otto von Salm starb in Aachen. Erwar früher Gouverneur des Kaisers. Seine Frau war eine naheVerwandte der Kurfürstin.