176 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans.
„II laut oormaitrs s-vant ä'aimsr"^). Der gute MonsieurKötzschau schreibt ein toll Französisch, er meint, daß Zraeieuxgnädig heißt und das heißt es gar nicht. Was man hier Zrs.-oieux heißt, sind angenehme Manieren, was Gnaden heißt ausDeutsch, expliciert sich nur auf Französisch durch Konto. Wenndes Kötzschau Bries nicht von so einer gnädigen und tugendsamenKönigin Tod spräche, wäre er possierlich. Ich bin froh, daß -natants nicht geweint hat, denn das macht einem wie krank, ichfühle es nur gar zu wohl nun.
An dieselbe.
(164) Marly, 3. Juni 1714.
.... Nein, liebe Louise, die Fräulein von Rathsamhauscn
hat keine 60,000 Franken, und wenn sie was gehabt hätte, dürfteihre Mutter ihr nichts geben, ohne all ihr Gut konfisziert zuhaben, und noch gar weggejagt zu werden, denn man kann nichterbitterter sein, als der König über das Fräulein von Raihsam-hausen ist. Sie hat's mit ihrem Durchgehen und Religionändernso weit gebracht, daß sie alle die Ihrigen bei einem Haar insgrößte Unglück von der Welt gesteckt hätte. Sie hat mir etlich-mal geschrieben, ich darf ihr aber nicht antworten, ich würde michsonst in rechten Ungnaden bei dem König setzen. Hier find dieReligionen nicht frei wie in Deutschland, wer von Religion än-dert wird kriminell, und wenn die Mutter schon wollte, könntesie ihrer Tochter nicht helfen, ohne sich und alle die Ihrigen insgrößte Unglück von der Welt zu stecken. Die Mutter sieht wohl,das; sich die Tochter nicht heiraten kann, wollte nur gern, daß siein einem Stift wäre.
An dieselbe.
(165) Marly, 24. Juni 1714.
Herzallerliebste Louise, weilen ich aus einem Schreiben von
Hannover, worinnen leider der Verlauf von unsren, leider allzugroßen Unglück ersehen, daß man Euch zurückgerufen und ich alsonicht zweifeln kann, daß Ihr jetzt wieder zu Hannover seid, drumschreibe ich Euch; nicht um mich mit Euch zu trösten, sondernum meine Thränen, so mir häufig jetzt aus den Augen rinnen.
r) „Man muß kennen, bevor man liebt."