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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orläans. 183

mehr an um tuvts, die liebe Kurfürstin zu schreiben habe, sogehe ich nachmittags in die Kirche, also konnte ich den Tag nichtschreiben. Montag ist der Posttag von Sizilien und Bayonne,muß alle Montag an die zwei Königinnen schreiben; Dienstag istder Tag von Audienzen, wo alle suvo^ss und Ambassadeur kommen,und muß auch abends wieder an meine Tochter schreiben. Gesternhatte ich morgens eine burunZus äss äsxutss äs ib,MAusäoo,welches eben zugehet, wie die von suvo^s«, außer daß man dieseäsxutss stehend empfängt, die SQVVZ7S8 sitzend. Hernach ging ichin Kirche, nach der Kirche zur großen Prinzeß de Conti, so Adergelassen hatte, ich also gar spät. Hernach geschah mir etwasgar Verdrießliches, eine von meinen schönen Hündinnen starb plötz-lich. Ich habe sie öffnen lassen, um zu sehen, ob sie nicht etwavergiftet wäre, oder an der bösen Krankheit gestorben, wo alleTiere jetzt in ganz Frankreich und Bourgogne an sterben, welcheswie eine Art von Pest ist, aber sie hat nur ein missisrs gehabt,so sie so plötzlich hat sterben machen. Ihre arme Gedärme warengeknüpft wie ein Paternoster, ein Knopf am andern und hart wieStein. Nach diesem habe ich den ganzen Abend angewendet, anunsre Herzogin von Hannover zu schreiben, also habe ich dieseAntwort auf heute verschieben müssen, da ich pretendiere gar exaktzu antworten. Es ist mir recht lieb zu vernehmen, daß meineBriefe nun richtig gehen, werde gewiß fleißig schreiben, sowohl vonFontainebleau als hier, wo es anders möglich ist. Es war leichtzu glauben, liebe Louise, daß Euch das Haus zu Frankfurt traurigeErinnerungen geben würde, ich habe wohl schon dran gedacht, aberich habe es Euch nicht sagen wollen, um Euch nicht desto eherdran zu erinnern. Wollte Gott, liebe Louise, mein Brief hätteEuch einigen Trost geben können! Aber das darf ich wohl nichthoffen, denn solche Wunden sind gar schwer zu heilen, doch binich froh, daß meine zwei Schreiben Euch einige Distraktion inEure traurige Gedanken und Erinnerungen geben haben. Ihr habtauch Verlust über Verlust gethan, aber hiervon will ich nicht reden.So lang wir in diesem Leben sein, liebe Louise, müssen wir Lustund Unlust von Menschen haben, das hat Gott so in der Weltgeordnet. Es wäre eine gar zu große Vanität, wenn man meinensollte, der ganzen Welt zu entbehren können. Ich gestehe, ich habeselber bisher gemeint, daß ich mein Leben nicht mehr würde lachenkönnen; so hat mich doch gestern und vorgestern die Frau von Rath-