184 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlöans.
samhausen zum Imal wieder lachen machen, also soll man wohl vornichts schwören. Wollte Gott, ich könnte glauben, daß man sich injener Welt sehen wird und kennen könnte, so würde mir der Todleicher ankommen! Allein weilen in jener Welt sein wird, was keinAug gesehen, kein Ohr gehört und nie in keines Menschen Herzkommen ist, also ist nicht zu glauben, daß etwas dort wie hierwird sein. Zudem so glaube ich, daß wenn man sich in jenerWelt dieser erinnern können würde, man nicht durchaus glücklichin der Seligkeit, noch durchaus unglücklich in der Verdammnissein können, denn man würde sich doch immer vor die interessieren,so man lieb hat, und Part nehmen, wenn's ihnen wohl oder übelgehen würde. Also schließe ich, daß jene Welt ganz was anderssein müsse und daß man an nichts mehr gedenken wird, als anunsern Herrgott und den zu loben. Das ist meine Meinung,liebe Louise! Also kann mich mein eigner Tod nicht trösten überdie, so ich verloren habe; es kann mich nur trösten, alles washier bös und verdrießlich ist zu verlassen und eine ewige Ruhe zugenießen. Seit man mir zur Ader gelassen und die zwei Tagmit dem englischen Salz von Epsom purgiert, geschwelten meineFüße und Schenkel nicht mehr, also müssen mir ja die Remedien,so man mir gebraucht, wohl bekommen sein. Ich bin froh, daßEuer Ohr wieder kuriert ist. Gar oft sind die geringsten Mitteldie besten. Aber warum wollt Ihr glauben, liebe Louise, daßEuer Ohrweh wiederkommen wird? Außer unsre liebe Kurfürstinund Carllutz, ja schier alle Eure Brüder, habt Ihr ja zu Heidel-berg verloren alles, was Euch lieb war, also leicht zu glauben,daß Ihr nicht gern mehr dort seid. Weder bekannt, noch unbe-kannt werde ich wohl mein Leben Deutschland nicht mehr sehen.Heidelberg wünsch ich Glück, Segen und alles Guts; ich müßteaber sterben, wenn ich's nun wieder sehen sollte, ich werde es doch,wie auch alle gute, ehrliche Pfälzer, all mein Leben lieb behalten.Ich weiß nur eine Gelegenheit, da wir einander einmal wiedersehen könnten, nämlich wenn ich einmal Urlaub erlangen könnte,meine Tochter zu besuchen, wenn sie wieder zu Nancy sein wird,alsdann könnten wir einander i-sncksL-vous dort geben; solltewohl recht froh sein, wenn ich Euch, liebe Louise, noch einmalvor meinem End embrassieren könnte. Ich weiß nicht, ob es wahrist, aber man sagt hier, daß die Engländer den Kurfürsten zuBraunschweig wohl zu ihrem König haben wollen, aber daß sie