Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans. 193
Hunden jagen. Unter uns geredet, ich glaube nicht, daß er katho-lisch geworden ist, denn warum sollte man es hier im Land ver-hehlen, wenn er es wäre? Wenn man seine Leute fragt, sagensie alle, sie wüßten nicht, was er wäre. Der snvo)'s MonsieurSuhm hat mir noch possierlicher davon gesprochen, erjagte: „DerPrinz thut wohl, sich nicht zu erklären, so lang sein Herr Vaterlebt, denn sollte er König in Polen werden, müßte er katholischsein, sonst kann er es nicht sein. Sollte er aber Kurfürst vonSachsen bleiben, wär er seinen Unterthanen lieber lutherisch alskatholisch, also thut er gar wohl, sich nicht zu erklären." Ichglaube nicht, daß dieser Diskurs Euch sonderlich gefallen, sagealso nichts mehr hiervon, sondern nur, daß Freitags, sobald ichangethan war, kamen I. L. der Kurprinz von Sachsen zu mir,hernach ging er zu Madame de Berry und ich in Kirch. Her-nach spazierte ich bei dem gar schönen Wetter ein halb Stündchenim Garten, gab meines Sohnes Gemahlin Visite, hernach kamich wieder her, aß zu Mittags und schrieb hernach 14 Bogen anmeine Tochter. Wie ich im vollen Schreiben war, kam Kurbayernganz unverhoffter Weis' zu mir; dies ist das zweite Mal in fünfJahren, es ist nicht zu viel, aber dies alles zusammen hat michden Tag an schreiben gehindert. Gestern haben wir den ganzenTag gejagt, also habe ich's auf heute verspüren müssen. Ich zweifleaber, daß ich heute noch werde recht antworten können, denn alleAugenblick kommen mir Verhinderungen, in 2 Stunden habe ichnicht mehr als diese 4 Bogen schreiben können. Komm nun aufEuer liebes Schreiben vom 18tm, bin froh daraus zu sehen, daßunser Kommerze nun ganz eingerichtet ist. Es ist wahr, daßGalles und Wallis all eins ist. Freilich können I. L. mir nunschreiben, glaube daß ihr Zeremoniell kein andrer sein kann, alsder von Duc de Pork, wie er lisvitisr xrösoinxtik war, alsokann es kein Embarras geben. Ich habe noch in mein Protokoll,wie ich an jene geschrieben habe. Die falsche Historie von derPrinzeß von Ahlden ihren Abschlag, kommt von niemand alsihrer Frau Mutter her, rechte französische Pösselcher. Ich habe eskein Augenblick geglaubt, denn ich kenne die hiesigen Manieren zuwohl, um nicht gleich zu sehen, woran es liegt, ich habe es auchhart widerstritten. Ich mag nichts von der Herzogin von Cellesagen, denn es verdrießt mich recht, daß sie unsre liebe Kurfürstins. überlebt hat, das kann ich nicht verdauen. Ich glaube, daß
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