194 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orleans.
der König in England nun zu London wird angelangt sein. Ichkann nicht begreifen, wie es möglich sein konnte, die, so man liebhat, ohne Thränen wegreisen zu sehen, das konnte ich nicht aus-stehen. Die Prinzeß jammert mich recht, ich kann leicht denken,wie es ihr schmerzen muß, ihren einzigen Sohn allein zu Hannoverzu lassen. Au tauts s. hat das Prinzchcn sehr geliebt. In sei-nem Contrefait gleicht er sehr Herzog Georg Wilhelm s. Ihr habtbessere Opinion von den Engländern als ich, denn ich traue ihnenkein Haar. Das ist nicht genug, daß man ihnen nichts Leidsthut, wenn man nur ihr König ist, hassen sie die Leute. Solang die verwitibte Königin, so wir hier haben, nur Duchesse dePork war, wurde sie geliebt und ihr Herr auch: sobald sie Kö-nigin war und er König, haben sie sie gehaßt und verfolgt undverjagt. Der Kurprinz von Sachsen ist nun seit Donnerstaghier, habe I. L. nur zweimal gesprochen, kann mich also nochnicht berühmen, daß ich ihn kenne. Ich zwing mich selten wennich schreibe, als wenn etwas ist, das ich nicht will, was manhier wissen soll.
An dieselbe.
(175) Fontainebleau, 14. Oktober 1714.
.... In diesem Augenblick komme ich aus der Kirche. Eswar eine Hiß drin, daß ich recht geschwitzt habe, es ist heute sowarm, als wie im Juni. Aber ich komme, unter uns geredet, ichglaube, daß der König in England vergnügter in seiner Göhrdesein würde, als in aller seiner Pracht in England; denn meinguter Vetter, der Herr König, macht ebensowenig Werks von Zere-monien, als seine alte Bas', mein Excellenz. Man sagt hier, dieserKönig nur in England sei gangen, seinen Herrn Sohn zu eta-blieren, daß er ihn auch werde suchen zu krönen lassen und her-nach wieder nach Hannover kommen und nicht mehr in Englandgehen; drum hat er gewiß seinen ganzen Hof zu Hannover be-halten, wie er ist. Ich könnte ihn in dem Stück nicht desappro-bieren, denn in seinem Platz würde ich es auch so machen. HatHerzog Ernst August Einkommens genug, um 12 tausend Thalerwegzugeben können? Das deucht mir viel vor einen Kadetten nndnoch dazu ein Haus in der Stadt zu kaufen. Der Kurprinzeßoder xrlnosWs cks kallen Frau Mutter hat wohl recht, von ihrerFrau Tochter Abschied zu nehmen, denn wenn sie einmal in Eng-