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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans. 195

land sein wird, wird sie sie Wohl ihr Leben nicht wieder zu sehenbekommen. Ich danke Euch, liebe Louise, mir der Madame de Ben-nigsen Brief geschickt zu haben. Ich werde ohne Ungeduld er-warten, was draus werden wird. Schickt man mir den Ring,werde ich ihn mit Dank annehmen und all mein Leben behalten,schickt man mir ihn nicht, werde ich doch all mein Leben gedenken,daß meine herzallerliebste Tante mir ihn aus Freundschaft desti-lliert hatte. Die Kielmannsegge meint vielleicht eine Fortune inEngland zu machen und damit ihre Schulden in Deutschland zuzahlen. Das Hofleben hat das und man hat allezeit verspürt,daß, die dran gewohnt sein, kein ander Leben ausstehen können,so übel man sich auch dabei befindet. Ihr werdet nun wohl wissenund erfahren haben, liebe Louise, daß Barcelone über ist^). Ichapprobiere, daß Völker einem Herrn getreu sein, wenn er sie wie-der lieb hat, aber wenn man von einem Herrn verlassen wird,wäre es ja billig, nicht soviel Blut zu vergießen und sich hübschzu ergeben. Aber die verfluchte Mönchen, so fürchten, daß sieunter dem französischen König nicht so debauchieren können wievorhin, und nicht mehr so geehrt würden werden, haben in allenEcken von den Gassen gepredigt, daß man sich nicht ergeben sollte.Hätte man meinen Rat wollen haben, so hätte ich geraten, daßman diese Schelmen alle in die Galeeren schicken sollte, anstattder armen unschuldigen Reformierten, so dort noch stecken. Es istmir leid, liebe Louise, daß ich Euch in den jetzigen Jahren nichtwiedersehen werde, da ich Euch doch in Euren so gar jungenJahren gesehen habe. Wißt Ihr noch, wie herzlich ich mit Euchweinte, wie ich Euch nach Kloster Neuburg zu der Gräfin vonLabach führte? Ich weiß nicht, ob Ihr lang dort geblieben find.Die Lopes hat dem König eine Pension gefordert, ist aber inGnaden abgeschlagen worden. Das war wohl eine wunderlicheQuinte, ich habe es ihr wohl vorher gesagt, daß es nicht an-gehen würde. Ich finde es recht artig, daß Ihr 3 Fräulein Grä-finnen so Euch auf Eure Hand miteinander lustig gemacht habt.Ich habe Euch schon geschrieben, daß wir den Kurprinzen vonSachsen hier haben, und welchen, daß ich ihn dem König präsen-tiert habe. Er reüssiert gar wohl hier, aber mit mir ist er garscheu; ich glaube, daß mein altes Gesicht ihm mißfällt, aber das

') Vgl. oben S. 181 A. 1.