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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
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212 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orleans.

sind ja unter uns beiden gar unnötig. Ich habe mein Lebenkein schöneren Sand gesehen, als auf Euren Briefen ist, ich habees abgeschabt, um meine Briefe auch blinkend zu machen, wieIhr seht.

An dieselbe.

(187) Versailles, 19. April 1715.

.... Ich bin noch dazu (wie man in der lieben Pfalz

sagt) heute krittlich wie eine Wandlaus und habe es auch rechtUrsach. Aber ich kann nicht alles sagen, nur ein Echantillon,nämlich, daß der König der Prinzeß des Ursins^, so recht straf-würdig ist, meinen Sohn für einen Vergifter zu Passieren machen,die rekompensiert man und gibt ihr 40 tausend Franken Pension.Die andern 2 Ursachen, so mich krittlich machen, sind nicht besserals diese. Solche Ungerechtigkeiten machen einem das Leben satt.Man muß dazu still schweigen und darf nichts sagen. Manwird des Lebens greulich müde, denn man hat lauter Schlimmesund gar nichts Gutes. Aber was will man thun? Man mußschweigen und leiden und Gott alles Heimstellen. Ich könnte nochlang hiervon reden, allein wegen meiner Tochter Brief muß ichenden und vor diesmal nichts sagen, als daß, so matt von Leibund recht traurig im Geist, so ich auch bin und sein mag, so be-halte ich Euch doch von Herzen lieb.

An dieselbe.

(188) Versailles, 23. April 1715.

.... Ich bin der Prinzeß doch sehr verobligiert, mir alle-zeit dero Andenken zu erweisen. Agstein, so man hier awkrs.fnniis heißt, ist nicht gar rar hier. Aber ratet mir doch! Waskönnte ich der Prinzeß wiederschicken, so I. L. angenehm seinkönnte? Denn was man vor Bagatellen hier hat, als Schachteln,Uhren und dergleichen, hat man schöner und artiger in Englandals hier. Moden kann ich auch nicht mehr schicken, weilen'sie inEngland ihre besondren haben, so man nun in Frankreich folgt;bin also sehr embarassiert, was ich Euch vor die liebe Prinzeßschicken könnte. Ich bitt Euch nochmals, liebe Louise, das mirzu berichten, was Ihr meint, daß ich schicken könnte, so angenehm

') Die früher erwähnte Favoritin des Königs von Spanien.