Buch 
Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
Entstehung
JPEG-Download
 

Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans. 211

Eure englische Reise wird gekostet haben. Ihr thut wohl. EureKour bei Hof zu machen, den König Jörgen in guter Laune zuhalten, damit Ihr bekommen mögt, was Euch leider unsreliebe Kurfürstin vermacht hat. Wenn unsrer lieben Prinzeß vonGalles alles widerfahren könnte, was ich I. L. zu dero Ge-burtstag wünsche, würden sie nicht allein eine perfecte Ge-sundheit und langes Leben bekommen, sondern auch die glück-seligste Prinzeß von der Welt werden, wie sie es meritieren zusein. Ich dachte nicht, daß die österreichische Gallakleider auch inEngland der Brauch wären. Mich beucht. Eure Niecen sindjung genug, um allezeit bunt zu gehen. Es ist eine Schande,daß der Duc de Schomberg so karg ist. Vor wem will er dennsparen, wenn er an seinen Kindern spart? Mich wundert, daß,da der König in England nun resolviert ist, seiner Frau MutterTestament zu halten, und weiß, wie teuer es zu London zu lebenist, wie er Euch so ohne Geld läßt. Ich fürchte, daß er in demSpital krank ist, wo Euer Schwager in steckt, Ihr verstehet michwohl. Es freuet mich, daß Ihr bei der gar lieben Prinzeß soin Gnaden seid und bei dem Prinzen, ihren Herrn; aber ichglaube, daß, was die Prinzeß gesagt, ist nur ihres Herrn Bizar-rem zu entschuldigen, denn was hätte man ihm von Euch sagenkönnen? Euer letztes Schreiben habe ich gar ordentlich vergangenenFreitag beantwortet und alles gesagt, was ich von der Sachegedenke. Was nicht in ein Jahr geschieht, kann nach des VatersTod geschehen, der doch schon alt ist. Wie Ihr mir EuernSchwager beschreibt, glaube ich nicht, daß er sein Leben in einigenHeirat seiner Kinder einwilligt, er ist wie der arme ärw LsOrsgu^ als Pflegt zu sagen: „oomms I'arbalistrs^) äs 6oAr>ao,äur ä ls, ässssrrs". Aber alle Heiraten sind im Himmel ge-macht, wenn das ist, könnens Menschen nicht wehren, drum mußman nur Geduld haben. Ich bin nur gar zu ein guter Prophetgewesen und habe Euch deswegen die Reise widerraten, denn ichhatte vorhergesehen, wie es ablaufen würde und wie wenig Er-kenntnis der wunderliche Mensch Euch erweisen würde. Um Gottes-willen, liebe Louise, macht mir nicht so viel Komplimente, die

l) L.rbg,Iötrisi' bedeutet: Armbrustschütze, ardalsts die Arm-brust. Die Redensart strs äai- g, la Lssssrt heißt: „zähe, geizigsein." Das Ganze ist ein Sprichwort aus dem 16. Jahrhundertund dient zur Bezeichnung eines geizigen Menschen.