216 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans.
an eine alte Tante; bin I. L. wohl über die Maßen verobligiertvor alle dero Güte, kann aber keine Worte finden, meine rechteErkenntlichkeit zu bezeugen. Sagt alles, was Ihr am besten er-denken könnt. England ist der änellssss äs UortsmoutlU) gargewiß viel schuldig. Von der Gattung ist es wohl die besteFrau, so ich mein Leben gesehen, sie hat ein gut Gemüt und istvon gutem Kommerze. Zu Monsieur s. Lebenszeit hatten wir siegar oft zu St. Eloud, kenne sie also gar sehr. Solltet Ihr siesehen, bitte ich, ihr mein Kompliment zu machen, liebe Louise!Des Metzgers Historie ist wohl englisch auf allen Seiten. DieDamen hier im Land haben keine Staatsjungfern mehr, sehe, daßes die in England auch so machen.
An dieselbe.
(191) Versailles, 10. Mai 1715.
.... Wie könnt Ihr Euch, liebe Louise, verwundern, daßich etlichemal Ursache habe unlustig zu sein, nachdem Ihr meinengroßen Brief gelesen, den ich an ins. tsats s., unsre liebe Kur-fürstin, durch Monsieur de Wersebs geschrieben hatte. Der alteGroll wird nur mit dem Leben enden, und alles, was die Zottnur wird erdenken können, mir böse Offize zu leisten und michzu chagriuieren, das wird sie thun. Es findet sich eine neueUrsache, nämlich weilen ich ihre Herzensfreundin, die die jetzigeKönigin in Spanien weggejagt hat, nicht habe sehen wollen H.Die Ursache, warum ich dies Weib nicht habe sehen wollen, ist,daß mein Sohn mich drum gebeten, denn sie ist seine ärgsteFeindin und hat ihn wollen öffentlich vor einen Vergifter passierenmachen. Mein Sohn hat sich nicht kontentiert, seine Unschuld zubeweisen, sondern er hat alle Informationen ins Parlament tragenlassen, daß sie da mögen verwahret werden. Das kaun die andremir nicht verzeihen, daß ich ein solch Weib nicht sehen will, aberwie das deutsche Sprichwort sagt: „Gleich und gleich gesellt sichgern" sprach der Teufel zum Kohlenbrenner. Ich muß mich aufalles Böse gefaßt halten und Geduld nehmen. Mein Sohn, somich in dies Labyrinth geführt, wird mich nicht herausführen,aus Furcht, seine Tochter in Ungnade bei der Dame zu setzen.
r) Fräulein von Käroualle, Mätresse des englischen KöuiqsKarl II.
2 ) Die Prinzeß des Ursins, s. oben S 212.