Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans. 217
Aber hiemit genug von diesen verdrießlichen Sachen. Es ist mirvon Herzen leid, daß Euer vKnZrin auch continuiert und EureReise umsonst geschehen wird sein. Es ist ein Elend, wenn dieLeute, mit welchen man zu thun muß haben, wie Ihr mit EureniSchwager, keine Räson begreifen wollen. Wenn man durch Trüb-sal selig wird, habe ich an meine Seligkeit gar nicht zu zweifeln,denn deren habe ich viel mehr hier im Land ausgestanden, alsLust und Freuden, das w^ß Gott! Wenn es ein Zeichen ist,daß man von Gott geliebt ist, wenn man der Welt überdrüssigist, so hat mich Gott der Allmächtige gewiß sehr lieb, denn mankann der Welt nicht überdrüssiger sein, als ich's bin. Die sogroße Gewalt hier hat, ist pikiert gegen die Königin in Spanien,weilen sie nur am König und nicht an sie geschrieben hat, drum,was sie ihr wird zu Leid anthun können, wird sie gewiß thun.Aber die Königin in Spanien ist weit davon, fragt also nichtsdarnach. Ihr könnt wohl gedenken, daß ich Euch die 40 m.Gulden viel lieber gönnen möchte, als diesem bösen Weib, aberder König gibt keinen Menschen nichts von was man im Kriegverloren hat, sagt: „6s sont Iss irmlbsurs äs In Ansrrs^).Aber es wird jetzt gleich zwölf schlagen, ich muß in Kirche; nachder Kirche werde ich der Prinzeß de Conti eine Visite geben,also erst nach dem Essen wieder ans Schreiben kommen können.
Da bin ich wieder in meinem Kabinett. Ich habe nicht zuder Prinzeß de Conti gekonnt, denn ihre Hofmeisterin, die Mar-quise d'Urfs, hat mir gesagt, ihre Stiege wäre schwer zu steigen,und ich kann keine leichte Stiege steigen, will geschweige» eine un-gemächliche, Habe also meine Entschuldigung machen lassen undbin wieder herkommen und kann nichts besseres thun, als Euchnoch zu entretenieren, liebe Louise, bis mein Essen kommt. Frei-lich muß man hier Geduld haben und wie das deutsche Sprich-wort sagt: „Geduld überwindet Buttcrmilch." Wenn mich waschagriniert, suche ich hundert Sachen hervor, so mir Distraktionengeben können und überwinde es so in wenig Tagen, gehe meinengeraden Weg fort und lass' Gott walten, rede so wenig davon,als mir immer möglich ist. Aber in diesem Augenblick ruft manmich zur Tafel, muß also noch eine Pause machen.
) „Das sind die Unglücksfälle des Krieges.