Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans. 221
teilen, da Ihr es doch wohl unterdessen Eurer Lebenszeit hättetbehalten können und ihnen in Euer Testament verlassen. Ichhätte mein Leben nicht gedacht, daß Ihr ein Kreuz tragen würdet,liebe Louise. Das hat mich lachen machen, ich habe diesen Putznie getragen, ich sehe die Kreuze gar nicht gern, diese Form ge-fällt mir nicht. Ich erfreue mich mit Euch, daß Eure ältesteNisce endlich geheiratet ist, aber seid Ihr auch wohl sicher, daßder Heirat vollzogen ist? Die Wahrheit zu sagen, so bin ich einwenig mißtrauisch mit wunderlichen Leuten, wie Euer guter HerrSchwager ist, und kommt es mir gar wunderlich vor, daß er soein klein Haus genommen, seines Tochtermannes Mutter nicht beider Hochzeit zu haben, noch Euch, da Ihr doch die Reise alleinin England gethan, diesen Heirat zu sehen, und daß man Euch,noch die Mutter von der Zeremonie abhält, kommt mir suspektvor. Verlange sehr, weiter zu vernehmen, wie es abgegangen,und wünsche, daß die zweite auch nach Eurem Sinn möge ver-heiratet werden. Kann die Prinzeß von Wales meine Schriftnicht lesen, daß ihr Herr ihr meinen Brief vorgelesen? ^ xioxosvon dieser Prinzeß, könnt Ihr mir denn nicht sagen, liebe Louise,was ich I. L. schicken könnte? Ich wollte ihr so gern was vonhier schicken, so ihr angenehm sein könnte. Unterzeichnen in Eng-land die großen Herren ihre Heiratskontrakte nicht, wie hier inFrankreich, daß der König nach Eurer Niöce Heirat fragt? Ichweiß dem König Jörgen Dank, so freundlich mit Euch gewesenzu sein; es ist aber nicht genug, er sollte Euch auch rechtschaffenin Eure Chargen und in was Euch seine Frau Mutter, unsreliebe Kursürstin, verlassen hat. Zu Paris illuminieren die Frem-den die Häuser nie, sondern nur die, welchen die Häuser gehören;also wunderts mich recht, daß Ihr diese Depense zu thun habt.Ist die Prinzeß von Wales nicht froh gewesen, ihr Prinzeßchenwiederzusehen und bei sich zu haben? Mich wundert, daß dieEngländer leiden, daß die Prinzessinnen ihre deutsche Hofmeisterinbehalten. Ich hatte gehofft, Euch diese Post eins von meinenKupferstücken zu schicken können, allein der Kupferstecher hat seinWort nicht gehalten, es wird für ein andermal sein. Ich schickehierbei die Liste von Marly, bitte, Ihr wollt sie doch von meinet-wegen an Mademoiselle de Malause schicken, der ich diese Listeversprochen. Ich bin 10 Jahr älter als Ihr, liebe Louise, mußalso wohl vor Euch in jene Welt. Ich wollte von Herzen gern