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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
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222 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orleans.

länger plaudern, liebe Louise, allein es schlägt 8 und ich mußnoch an meine Tochter und 2 Personen zu Paris schreiben, mußalso wider Willen diesen Brief schließen, kann ihn nicht einmalüberlesen, bitte die Fehler zu entschuldigen. Danke für den Briefvom Ingenieur, ich lese gern solche Relationen. Adieu, HerzliebeLouise! Ich embrassire Euch von Herzen und versichere Euch, daßich Euch von Herzen lieb behalte.

An dieselbe.

(195) Marly, 12. Juli 1715.

-Man führte zwei neue Prinzen, zu Paris an-gekommen, ein Fürst von Anhalt und einer von Ostfriesland,welche, die Wahrheit zu bekennen, zwei so häßliche Schätzcher sind,als ich mein Leben gesehen habe. Der erste ist dürr wie ein Holz,hat eine ganz weiße kopierte Perücke und feuerrote Augen undvoller Kinderblatternmäler, eine Naht an die andre; er ist so mager,daß er drüber gebogen ist, und hat ein abscheulich Maul undgar wüste Zähne. Der von Ostfriesland ist dick, den Kopf inAchseln und das ganze Gesicht im Fett versunken, die Nase dickund platt. Summa, sie sind beide gar häßlich. Vorher habeich eine Art von Rat gehalten mit allen meinen Leuten, denoonssilisi' ck'sts.1, den der König mir gegeben, um für mich zusorgen, der Intendant von meinem Haus und mein Schatzmeister;haben eine gute Stund von lauter gar verdrießlichen Sachen ge-sprochen, welche mich recht krittlich gemacht haben, und nicht ohneUrsache. Aber hiervon wäre gar zu langweilig zu reden, kommealso lieber auf Euer liebes Schreiben, fange bei dem frischstenan, so vom 15/26. Juni ist. Seid nie in Sorgen, liebe Louise,zu oft mit Euren lieben Schreiben zu kommen, denn wie ich Euchschon vielmals gesagt habe, so sind mir Eure Schreiben allezeitlieb und angenehm. Weilen ich die Kinder und insonderheit diekleinen Buben liebe, so hat mich die Komödie im College diver-tiert, die Kinder Habens recht artig gemacht. Aber es schlägt 12,ich muß in die Kirche.

Da komme ich eben aus der Kirche und weilen wir erst um1 essen, also noch ein Viertelstündchen zu schreiben habe, will iches nicht verlieren. Hier spielt man bei den Jesuwitern keinegeistliche Komödie, auf wenigst die zwei, so ich gesehen. Die erstewar von einem äuo äs LourMKns und dieses letzte war Lsox«