224 Briefe der Elisabeth Charlotte von Orlsans.
ändern die Kinder. Ich rate wohl, was es ist, man hat ihr er-laubt Schnupftabak zu nehmen, das hat ihr die Nas' so wachsenmachen. Hätte man mir geglaubt, hätte man keines von denKindern ins Kloster gesteckt, aber ihre Frau Mutter denkt andersals ich. Die zweite will mit aller Gewalt eine Nonne werden ^),das verdrießt mich und erfreuet die Frau Mutter. Aber nurGeduld! Ich bin gewiß, es wird ihnen allen gereuen, so zudiesem Handel geholfen haben. Ich habe mir nichts dabei vor-zuwerfen, denn ich habe mein Bestes gethan, die Such' zu wehren.Auf diesem allem wäre noch viel zu sagen, aber es sind keineSachen, so der Post zu vertrauen sind. Ich habe meine Parteigefaßt, alles gehen zu lassen, wie man will und mich in nichtszu mischen, was meines Sohnes Kinder betrifft, aber ich mach's,wie Jungfer Kolb, meine Hofmeisterin, als von Herrn Biermannerzählt, so als sagte: „Genug und übergenug von diesem allem!"wenn er 3 Stunden gepredigt hatte.
An dieselbe.
(197) Versailles, 19. Juli 1715.
-Ich wollte tausendmal lieber Kurfürst von Braun-schweig, als König in England sein. Der erste ist ein absoluter,regierender Herr, der thun kann was er will, aber ein König inEngland ist ein Sklav, der seines Lebens nie sicher ist. Sie sindauch der katholischen Religion nicht so zuwider, als Ihr meint,denn erinnert Ihr Euch denn nicht mehr, mit welchen Freudensie den letzten König Jakob in England gekrönt haben? Undwußten doch alle gar wohl, daß er und seine Königin katholischwaren. Es geht mit den Engländern, wie die Phantasiern ihnenim Kopf kommen. Was Meriten einer auch haben mag, sobaldman ihr König ist, wird man von ihnen gehaßt. Die Leutekönnen nie weder in Ruhe, noch in Ordnung kommen.
An dieselbe.
(198) Marly, 2. August 1715.
-Mein Gott, liebe Louise, in dem bösen Humor
wo ich nun bin, hätte ich Euch schier gefilzt, so zu komplimen-
') Louise Adelaide von Orlsans, geb. 1698, gest. 1743. Siewurde Nonne unter dem Namen Sainte Matilde.