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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orléans 1673 bis 1715 / Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ludwig Geiger
Entstehung
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Briefe der Elisabeth Charlotte von Orleans. 233

Heute morgen habe ich angefangen um halb 10 zu schreiben;da haben die Interruptionen angefangen und bis nun gewahrt,da es halb 4 ist. Mein Essen ist nichts... da kann ich kei-nen Bissen ins Maul thun, muß als die Leute entretenieren;und ganz allein essen, nichts ist verdrießlicher. Es ist wahr,liebe Louise, daß unser s. König Sonntag den 1. September,um halb 9 verschieden ist; ich glaube, ich habe es Euch schonberichtet und wie es im Parlament zugangen. Gestern hatman den jungen König ins Parlament zu sein lit äs zustieggeführt, da ist meines Sohn rsAsnvs enregistriert worden, alsogar sicher und gewiß. Meine Partie nehmen und mich in GottesWillen ergeben, kann ich wohl, aber, liebe Louise, wer kann ineinem ewigen Zwang und Ungemächlichkeit lustig und vergnügtsein? Es ist aber Gottes Wille, daß ich bis an mein Endleiden soll, also muß man sich drinnen ergeben. Es kann michgar nicht verdrießen, daß Ihr gern hättet, daß ich nicht mehrtraurig sein soll, denn ich sehe Wohl, daß es aus purerFreundschaft ist und daß Ihr fürchtet, daß ich aus Betrübniskrank werde werden. Aber sollte ich krank werden, so wird esdie hiesige Luft verursachen, denn seit vergangenen Montag, daßich hier ankommen, bin ich keine Stund ohne Kopfweh gewesen.Mein Sohn, bin ich versichert, möchte wünschen, daß ich ver-gnügt hier möchte sein, aber das stehet nicht in seinem Ver-mögen. Es ist nur zu wünschen, daß ich bald das Fieber be-kommen möge, denn ich habe versprochen, nicht eher hier weg-zugehen, bis ich krank werde. Kopfweh ist nicht drin gerechnet,denn ohne das kann ich nicht zu Paris sein; bekomme ich aberdas Fieber, gehe ich in unser liebes St. Cloud. Mein Sohnhat wohl andre Sachen zu thun, als an meine Lust und Ver-gnügen zu gedenken. Er hat wohl von nöten, daß man Gottfleißig vor ihm bittet. Mich beucht, er ist sehr resolviert, desKönigs letzte Ordre zu folgen, und friedlich mit seinen Nach-barn zu leben. Ich glaube, daß wenn es allein bei meinemSohn stünde, daß er gern allen Bedrängten beistehen wollte,aber viel Sachen werden nicht durchaus bei ihm stehen; undum zu wissen, daß er alles nicht aus seiner eignen Phantasieregieren will, so hat er schon unterschiedliche Räte gestiftet, einen

') Zn ergänzen:angenehm" o. ä.