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Der Geschichten schweizerischer Eidgenossenschaft Erstes [bis Sechstes] Buch / Durch Johannes Müller
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125
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Geschichte der Schweiz. , 25

die Verschwiegenheit in solchen Fallen, ist selbst einungemein süßer Genuß unseres Bewußtseyns.

Die Rotte der ersten vier Monate gieng ab. Alsim Anfang des May die Gemeine in großer Anzahlauf dem Hof zusammenkam, erschien die zweyteRotte, und erwartete ihre Bestätigung. Ein Mannaus dem Volk aber trat auf, und foderte,daß vonden Stadtgelbern seit einigen Jahren die Rechnung abgelegt würde." Da standen auf die beyden Rit-ter Manesse und von Glaris, Johann Stagel undJohann Schasii, Herren dieser andern Rotte, Freun-de Rudolf Bruns, und billigten das Begehren derBürger. Die übrigen, erstaunt, wußten bey dieser««vorgesehenen Verwirrung nichts zu sagen, als,man gehe mir Neuerungen um;" sie riefen die an-dern Rotten zu Hülfe; einige sagten,man sollte dieUrheber solcher Sachen strafen," andere thatenmancherley Zusagen. Zuletzt (Brun kannte ihreSchwache, und, wie es bey Anfang einer Unruhedem Anführer des Volks zukömmt, er vermied allenSchein der Gewaltthätigkeit) wurde ihnen erlaubt,heimzugehen, um über das Gesuch der Gemeine zurathschlagen. Wenige obrigkeitliche Personen, welcheeinen großen Theil des Lebens in den Rathstuben zu-bringen, haben genügsame Kenntniß der Gemütherihres Volks; die Ersghrung, worauf sie sichj brüsten,betrifft nur die Formen. Zu Zürich hielten die Raths-herren diesen Zufall für einen vorübergehendenSturm; sie gedachten zu zögern, bis der Eifer desVolks erkalte. Männlicher Maaßregeln waren sieunfähig.

Ihre kleinen Künste betrachtete Brun sechs Wo-chen lang. Endlich ließ er unter dem Volk ausbrei-ten,die Herren vom Rath spotteten der Gemeine."Da kam an S. Johann Baptisten Tag aus allen

Gegen-