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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Die alte französische Monarchie seit Richelieu und Ludwig XIV. 9

hinreichte, das Werk Heinrichs IV. nicht bloß zu retten, sondernnoch kühner aufzubauen, als Jener es vermocht hatte.

Richelieu schuf mitten unter inneren und äußeren Zerrüt-tungen eine einheitliche Verwaltung, eine strenge Rechtspflege,Sicherheit des Verkehrs, legte den Grund zu einem starken Heer,machte Frankreichs Einfluß wieder geltend nach Außen, trug denLöwenantheil des 3ttjährigen Kriegs davon, bändigte den Adel, ab-sorbirte die Stände, zum ersten Male fühlte mau wieder das Gewichtdes königlichen Namens von einem Ende Frankreichs bis zum an-dern und das Alles vermochte im Verlauf von etwa 18 Jahrenein Blaun, der Tag für Tag um seine Existenz ringen mußte.Nach seinem Tode konnte ein viel Schwächerer seine Erbschaftübernehmen und als ein junger aufstrebender König, fast noch einKind, die Regierung übernahm, stand er auf einer so glücklich vor-bereiteten Ordnung da, wie keiner seiner Vorgänger.

Ludwig XIV. fand beim Antritt seiner Selbstregierung einvortreffliches Heer, leidliche Finanzen und ein europäisches'Ansehenvor; der Gedanke des Widerstandes gegen die fürstliche Allgewaltwar verschwunden, die alten Führer der Rebellion waren zu Trä-gern seines Willens geworden, eine Fülle von Talenten in Litera-tur und Kunst, in allen Zweigen des Staates und Heerdienstesrangen um die königliche Gunst. Nach Außen war Frankreichstärker als je, die einzige rivale Macht, Habsburg, war erschüttert,England durch die Restauration der Stuarts aus französische In-teresse gebunden, die übrigen Nachbarn waren theils welk und hin-fällig wie Spanien, theils in ohnmächtiger Zersplitterung, wieDeutschland und Italien.

So trat er die Monarchie an und wenn je in einem Staatedie absolute Fürstenmacht populär war, wo die nationale Idee mitihr Hand in Hand ging, so war es damals in Frankreich der Fall.

Das war das große Geheimniß Richelicu's, daß er dieserschrankenlosen Staatsmacht ihre populäre Stellung stets zu er-halten wußte. Rücksichtslos gegen Adel und Hugenotten, gegenHöflinge und Günstlinge selbst Mutter und Gattin, Bruder,Freund und Geliebte des Königs empfanden seine Härte rück-sichtslos gegen die großen Corporationen, sorgte er für Ordnungund Sicherheit im Großen und Kleinen, schuf eine verhältnißmäßigrasche, wohlfeile, strenge Justiz, schützte den Bürger und Bauer