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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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11
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Die alte französische Monarchie seit Richelieu und Ludwig XIV. H

Die Staatseinheit war jetzt auch wirthschaftlich und in dergesammten Verwaltung vollendet. Der Staat leitete Alles, schufVerkehrsanstalten, erzeugte und belebte eine einheimische Industrie,lenkte das ganze Erwerbsleben des Volks er war Alles inAllem.

In dieser Zeit führt Frankreich seine glücklichsten Kriege undist nach Innen der blühendste Staat des Festlandes; sein Handelund sein Gewerbe hatten das Uebergewicht in ganz Europa, seineMarine stand nichr bloß der von Holland und England gleich,sondern schien beiden zusammen gewachsen, und daneben warenKunst und Literatur in der reichsten Entfaltung; Frankreich warin seinemgoldenen Zeitalter".

Aber die Vorbedingung dieses Systems wurde bald vergessen,vor Allem der Gedanke der populären Fürsorge für den steuer-pflichtigen Theil der Nation und außerdem geschah Nichts, demrein faktischen Zustand die dauerhafte Basis eines gesetzlichen Rechts-zustandes zu geben. Die Staatsallmacht war ein bloß thatsäch-liches Verhältniß, gesetzlich bestanden die alten Körperschaften fort.Das Staatswohl obenanzustellen, war Ludwigs Sache nicht, demSchwindel der Allgewalt zu widerstehen, war er nicht stark genug.Ihn berauschte bald der Gedanke, wie eine zweite Vorsehung sichüber die Nation zu stellen, der Reiz Alles, Recht und Eigenthum,Glauben, Sitte und Bildung des Volks mit seinem Stempel zuversehen, die Versuchung, die stets verderblich ist, das ganze indi-viduelle Leben der Nation in seine Formen einzuschmelzen, jedeArt von kleiner Selbständigkeit zu ersticken, zu gebieten wie einorientalischer Despot über stumm gehorchende Massen.

Der Staat bin ich" sagte er dem Parlament, das ihm imNamen des Staatswohls Vorstellungen machen wollte.Alles sollmir vorgelegt werden, sagte er bei seinem Regierungsantritt, vonder diplomatischen Depesche bis auf die letzte Anstellung und dieletzte Bittschrift."

Früh fing er an, den Staat dem Hofe unterzuordnen, hö-fischen Ränken und Einflüssen über Gebühr nachzugeben, MaitressenEinfluß auf den Staat zu gestatten, und diesen selbst seinen Launen,seinem Belieben zu opfern. Das steigerte sich, als jede Gegen-wirkung aufhörte, seit Colberts Tode. Im Vertrauen auf dieUeberlegenheit seiner Heere stürzt er sich in maßlose Kriege, die