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Ludwig Häusser's Geschichte der französischen Revolution : 1789-1799 / Herausgegeben von Wilhelm Oncken
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Einleitung, tz. 1.

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endlich in dem so vielgetheilten und gebrochenen Europa eine fasteinmüthige Verbindung gegen ihn zu Stande bringen. Die Blütheseiner Heere, der Wohlstand seiner Nation wird verschlungen, ervertreibt die Hugenotten, zerstört damit die südfranzösische Industrie,jagt Tausende durch Europa wie ein wanderndes Pamphlet, dasAlles gegen ihn erbittert und das Capital an Geschick und emsigemFleiß, das mit den Flüchtlingen hinausgestoßen wird, führt erseinen Feinden zu. Was wäre Brandenburg geworden, wenn erihm nicht mit diesem Capital zu Hilfe kam! Das Alles hatte seitden achtziger Jahren immer reißender um sich gegriffen. MitMühe und Noth hielt der König noch den äußeren Bestand desReiches fest, aber die Suprematie in Europa war dahin, sie gingzunächst an England über und theilte sich an alle Staaten mit,die bisher untergeordnet gewesen waren, seine Flotte war verloren,seine Häfen und sein Handel dadurch schutzlos, die Finanzverwal-tnng entsetzlich zerrüttet, die Gewerbe tödtlich getroffen, in dieNation selbst das nachwirkende Gift des Religionshaders gelegt:er konnte die Parteien wohl blutig züchtigen und decimiren, abernicht geistig und moralisch todt machen.

Dazu kam, daß das Königthum seine persönliche Würde mehrund mehr verlor. Heinrich IV. war trotz seiner Ausschweifungenein guter König, man verzieh ihm gerade hier mehr als irgendwoseine Berirrungen, denn er war ein tapferer Soldat, der trotzseiner weichen Sinnlichkeit im Feld auf harter Erde schlief, mitseinen Soldaten jede Entbehrung theilte, in jeder Schlacht an derSpitze seines Heeres stand, eine bewunderungswürdige, ritterlichePersönlichkeit. Ludwigs XIV. in seiner allmälig träge werdendenMajestät war das nicht mehr; er theilte die Noth weder mit sei-nem Heer noch mit seinem Volk, sein Hof fuhr fort zu schwelgenund zu glänzen, als das Volk darbte. Heinrichs Maitressen hattensich dem Staate nicht fühlbar gemacht, mit Ludwig theilten sicherst junge, dann alte Maitressen in das Regiment. Das kosteteden Staat ungeheure Summen, war überdies für eine kriegerischeMonarchie eine Entweihung des Königthums und ein unheilvollesBeispiel, dem die ganze herrschende Classe der Gesellschaft aufsSchrecklichste nachgeeifert hat.

Ludwig hinterließ sein Reich äußerlich unverkürzt, aber sittlichund wirtschaftlich tief herabgekommcn, ein undeckbares Deficit,

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