Voltaire >1694—1778).
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Schlagwörtern, kräftigen und deutlichen Beziehungen auf die Ge-genwart reichlich ausgefüttert, da griff sich Mancher in den Busenund der Höchsten war am wenigsten geschont. Dies gab demStück nicht poetischen Werth, aber es machte es zu einer bedeu-tungsvollen Erscheinung.
Neben andern vornehmen Salons besuchte Voltaire auchden eines Herzogs von Sullh. Wie überall gehörte auch hierdie Literatur zum hochadeligen Hausbedarf; als ihr begabterVertreter wurde Voltaire geduldet, bewirthet und, wie er glaubte,bewundert. An der Tafel traf er einmal zusammen mit einemChevalier de Rohan, dem jüngeren Sohn irgend eines jünge-ren Bruders von irgend einem Rohan — ein Prachtexemplardieser hochadeligen Familie werden wir bei der berüchtigten Hals-bandgeschichte kennen lernen. -— Ein Mensch von der rohestenVerschlossenheit gegen Alles, was Bildung hieß, sprach er überEiniges mit und gab sich Blößen, die Voltaire zu einigen scharfenSeitcnhiebcn benutzte. Der empfand das bitter? Ritterliche Ge-nugthuung zu fordern lag tief unter der Linie eines Ritters.Rohan ließ Voltaire von vieren seiner Leute auflauern und imHofe des Palastes von Sullh auspeitschen. Voltaire chenahm sichvollkommen, wie ein junger Mann in solcher Lage sich benehmensoll. Er wandte sich an seinen Gönner den Herzog von Sullh,aber der fand das Betragen Rohans ganz in der Ordnung; jetztentsagte Volaire dieser Verbindung, lernte fechten und schickte Rohaneine Herausforderung zu. Der nahm sie an, aber in der Nachtvor dem Duell wurde Voltaire verhaftet, zum zweiten Mal, jetztauf 6 Monate in die Bastille gesetzt und nach Ablauf der Haftzeitaus Frankreich verbannt. Diese Geschichte ist ein Buch werth.So stand also die Literatur damals zu deu vornehmen Herrn;man konnte sie nicht entbehren, zog sie an sich heran, Pflegte undhegte ihre Vertreter und ließ sie dann gelegentlich die brutalsteVerachtung fühlen, stieß sie mit Fußtritten von sich.
Aus seiner Haft entlassen, ging Voltaire nach England,für die Franzosen jener Zeit eine fremde, unbekannte Welt. Manhatte diesseits des Canals noch immer die feindseligen Erinnerun-gen aus den Zeiten der Jeaune dÄrc nicht überwunden; jetzt wares bedeutsam, daß der frischeste, regste Geist Frankreichs in Eng-land eine Zuflucht fand und Bahn brach zu jener Anglomanie,