Der Versuch mit Necker.
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braucht, der Tag kam, wo man die täglichen Ausgaben nicht mehrbestreiten konnte, man brauchte einen Finanzmann, der Credithatte und Geld schaffte und verfiel auf den Bankier Necker, derals Protestant nicht Generalkontroleur werden konnte, aber that-sächlich darum doch der leitende Finanzminister war (1776—1781).Damit beginnt das öffentliche Leben dieses merkwürdigen Mannes,von dem eine Zeitlang in Frankreich Jedermann überzeugt war,daß er der fähigste Staatsmann der Monarchie sei, der eine Zeitlang selbst das revolutionäre Frankreich wie ein Atlas auf seinenSchultern zu tragen schien und dann auf einmal spurlos verschwun-den ist. Necker war ein vortrefflicher Bankier, sein Haus warwohl das bestgeordnete in Paris und hatte den größten Creditweit und breit; seine Verhältnisse gestatteten ihm ungewöhnlichenAufwand, die ansgewählteste Gesellschaft der gebildeten Kreise gingbei ihm aus und ein, er hatte eine begabte Frau, eine geistreicheTochter, die spätere de Staöl, genug er war in der literarischenWelt eine Autorität, in der finanziellen eine Macht und darumverzieh man ihm die hölzerne Pedanterie, mit der er im Toneeines Methodistenpredigers seine Lehren vortrug. Seine politischeVergangenheit versprach wenig. Turgot war als Phhsiokrat einGegner des Colbert'schen Systems, Necker wollte durchaus dasMerkantilsystem vertreten und hatte sich dazu brauchen lassen,das unsaubere Treiben gegen Turgot durch eine sehr mittel-mäßige Broschüre zu unterstützen, deren Ausgangspunkt ein un-verzeihliches Mißverständniß der Turgot'schen Ansichten war.Auf Empfehlung eines Günstlings von Maurepas kam er insMinisterium und hier sollten die Thatsachen lehren, daß erweder Staatsmann noch Finanzmann sei. Er war nur Ban-kier, es sind aber zwei sehr verschiedene Dinge, ein Bankhausin Ordnung zu halten und einen halb bankrotten Staat zu leiten.Dazu kam die grenzenlose Eitelkeit des Mannes, großerzogen inder gegenseitigen Lobhudelei, die in seinem Salon herrschte. Wieer in seinem oomptö i'vmiu an den König die unglaubliche Ge-schmacklosigkeit beging, für seine Frau gewissermaßen die Unsterb-lichkeit zu fordern, so ist denn auch die Schrift seiner Tochter überdie Revolution oder vielmehr über den größten Mann der Zeit d. i.ihren Vater, den Ueberlieferungen ihres väterlichen Hauses durch-aus treu geblieben.